Portrait Sylvia Wage

„Grund“

Die Geschichte von selbst ist schnell erzählt: Am Grunde eines Brunnens liegt ein toter Mann, hineingestoßen von einem seiner Kinder – allerdings schon vor Jahrzehnten, gestorben ist er erst kürzlich. Von oben schauen seine mittlerweile erwachsenen Kinder herab und verhandeln, wie nun mit der Leiche zu verfahren sei…Aber wie man sich denken kann, ist das natürlich nur die äußerste Schicht des Textes. Zwischen den Zeilen geht es in schwindelerregende Tiefen hinab in die Geschichte einer völlig zerrütteten Familie. Es geht um Herrschsucht, Alkoholismus und häusliche Gewalt; auf mehreren metaphorischen Ebenen erzählt von einer äußerst unzuverlässigen Figur, die ihre Leser von Beginn an mit völlig absurden Behauptungen konfrontiert. Es ist ein Spiel mit der Gutgläubigkeit der Leser und ein Test, wie weit sie zwischen die Zeilen dringen wollen.

Sylvia Wage – Kandidatin Bookster HRO

Sylvia Wage, *74 geboren in Zwickau, gelebt in Dresden, gestrandet in Berlin. Tätig in der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Pharma und Biotech, engagiert in der lokalen Kulturpolitik, Bonner Literaturpreis-Trägerin und festes, gelegentlich prägendes Mitglied im Berliner Literaturlabel zuckerstudio waldbrunn.

Hier gehts zum Beitrag auf dem Blog Bookster HRO.

Interview mit der Longlist-Autorin

Du stehst auf der Longlist des Blogbuster-Preises. Hättest Du damit gerechnet?

Wenn man sich vor Augen hält, dass Bookster HRO innerhalb weniger Wochen 29 (neunundzwanzig!) Exposees und Textauszüge gelesen hat – und das mit einer konsequenten Ernsthaftigkeit und Achtsamkeit für jeden einzelnen Text, die ich sehr bewundere und schätze – dann ist Longlist etwas Besonderes und nix, womit man ‚rechnen‘ kann. Es gibt viele großartige Erzähler*innen und Texte – und der Wettbewerb beweist das.

Warum hast Du Dich gerade bei „Bookster HRO” beworben?

Ehrlich gesagt war es ein Satz, der den Ausschlag gab – Bookster schrieb:

„Wenn man eine tragische Geschichte mit einem Augenzwinkern erzählt, entsteht beim Leser ein seltsam ambivalentes Gefühl – genau das suche ich in jedem Buch.“

Da finde ich mich wieder, sowohl im Lesen als auch im Erzählen.

Blogbuster ist ein etwas anderer Literaturwettbewerb. Was hat Dich gereizt, daran teilzunehmen?

Es ist dieses Aufeinandertreffen von Bloggern und Autoren aus verschiedenen Welten mit sehr unterschiedlichen Erwartungen und Herangehensweisen an das Erzählen; geeint aber in ihrer Begeisterung für Buch, Geschichten, Sprache. Daraus ergibt sich die Chance auf Begegnungen und Erfahrungen jenseits des eigenen Tellerrandes. Ich mag das. Sehr.

Die erste Hürde ist genommen, welche Chancen rechnest Du Dir aus, auch die Fachjury zu überzeugen?

‚Ausrechnen‘ klingt immer nach Kinderfreibetrag in der Steuererklärung. Wrgs.

Die wirklich guten Geschichten, in Büchern wie im Leben, sind ja jene, die man weder berechnen kann noch die berechnend sind. Ich freue mich einfach aufs nächste Kapitel.

Wie lange hast Du an dem Romanmanuskript geschrieben und was hast Du bisher schon unternommen, um einen Verlag zu finden?

Der Unterschied zwischen dem Schreiben und dem Verfassen von Texten ist (für mich), dass es beim Schreiben eben gerade nicht um das geht, was man direkt sagen kann, was man strukturieren, erarbeiten und tippen kann.
Schreiben meint, eine Form, eine Sprache für das Unaussprechliche zu finden; Worte um das Unsagbare zu machen.

Der Prozess des Schreibens beginnt sehr weit vor dem Moment, in dem man sich an den Rechner setzt. Ich kann nicht sagen, wie lange mich die Figuren und Überlegungen zum GRUND wie Geister begleitet haben – das Aufschreiben selbst, wenn ich denn das ‚Wie‘ gefunden habe, das geht recht schnell und ist eher abhängig davon, worin ich sonst gerade noch verstrudelt bin. (Spoiler: Vieles. Zu vieles. Echt viel zu vieles.)

Was wirst Du zusammen mit Deiner Bloggerin noch unternehmen, um Dich und Dein Manuskript zu promoten?

Bookster HRO wird mit Sicherheit noch das ein oder andere auf seinem Blog erzählen – dort vorbeizuschauen lohnt sich ja eh immer.

Ansonsten: im Sommer wird es definitiv eine der inzwischen legendären Berlin-Grünau-Open-Stage-Garten-Lesungen geben, rund um den Blogbuster, und eingeladen sind alle, die Grünau finden (ja, das ist noch Berlin, nein, das ist noch nicht Brandenburg) und/oder irgendwas über/mit/für/um den Blogbuster zu lesen/erzählen/berichten haben.

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