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Ausgewählt wurden Literaturblogs, die sich mit anspruchsvoller Gegenwartsliteratur beschäftigen, eine hohe Reichweite haben und bei Verlagen, Medien und der Online-Community einen guten Ruf genießen.

Stefan Härtel – Bookster HRO

Moin aus Rostock! Mein Name ist Stefan Härtel und seit 2015 bespreche ich auf Bookster HRO vorwiegend deutsch- und englischsprachige Romane. Gute Literatur sollte für mich vor allen Dingen innovativ und ideenreich geschrieben sein und auf Klischees und Gemeinplätze verzichten. Die beste Story ist nichts wert, wenn sie lahm und abgedroschen daherkommt. Auch der Humor ist wichtig, und damit meine ich nicht billige Schenkelklopfergags, sondern die fiese, ironische Komik des Lebens. Wenn man eine tragische Geschichte mit einem Augenzwinkern erzählt, entsteht beim Leser ein seltsam ambivalentes Gefühl – genau das suche ich in jedem Buch. Wenn Du meinst, Du kannst mir genau dieses Gefühl mit Deinem Text verschaffen, dann schick mir Dein Manuskript. Ich freue mich drauf…

Karolin Hagendorf – Fiktion fetzt

Auf Fiktion fetzt blogge ich über gute Geschichten. Wie der Name schon vermuten lässt, bin ich nicht wählerisch, was das Genre betrifft – Fiktion ist schließlich ein weites Feld. Gegenwartsliteratur, Krimi, Fantasy oder Sci-Fi – jede Geschichte kann begeistern, wenn sie gut erzählt ist. Unterhalten zu werden, ist für mich ein wichtiger Faktor beim Lesen, doch die wirklich guten Geschichten, hören dort nicht auf. Ich suche Geschichten, die noch nach dem Lesen nachhallen; bei denen ich nicht das Gefühl habe, sie schon 100 Mal gelesen zu haben; die mich bewegen, begeistern und die – im besten Fall – mein Weltbild in Frage stellen. Mehr als alles andere ziehen mich dabei interessante Figuren in ihren Bann. Ich muss mich nicht mit ihnen identifizieren können, ich muss sie auch nicht sympathisch finden, aber ich muss ihre Motive nachvollziehen können. Ich liebe den inneren Monolog und zerrissene oder zweifelnde Charaktere, die die Welt mit all ihren schönen und schrecklichen Seiten erleben, die sich entwickeln und deren Reise ich bewohnen kann. Darin liegt immerhin der Zauber der Fiktion: Sie lässt uns die Welt mit den Augen eines anderen sehen, erweitert unseren Horizont und zeigt uns dabei – egal ob die Geschichte nun in der realen oder einer fantastischen Welt spielt – was es bedeutet, ein Mensch zu sein – mit all den Freuden und Abgründen, die dazugehören.

Julia Schmitz – Kulturjournal Fräulein Julia

Ich bin Tochter eines Buchhändlers, meine Geburtsanzeige war den bibliographischen Angaben eines Romans nachempfunden und zuhause stapelten sich die Bücher bis unter den Giebel – ein Leben ohne Literatur ist für mich undenkbar und ich verlasse das Haus nie ohne ein Buch in der Tasche. Als Kulturjournalistin gehört die Beschäftigung mit literarischen Texten zu meiner täglichen Arbeit – damit mich eine Geschichte packt, muss sie mich also erstmal aus der Routine locken. „Gehobene Belletristik“ sage ich immer, wenn man mich nach meinen Vorlieben fragt: Fällt ein Text sprachlich aus der Reihe, provoziert oder fasziniert er mich durch ungewöhnliche Sprachspiele und -bilder, treiben mich die fein ausgearbeiteten Charaktere zur Weißglut oder kann ich mich mit ihnen identifizieren? Manchmal brauche ich die Reibung mit einem Text, manchmal schätze ich es mehr, mich in die poetische Sprache wie auf ein weiches Kissen fallen lassen zu können. Plattitüden, ausgelatschte Metaphern und hölzerne Dialoge meide ich hingegen lieber. Ich lese keine Krimis, Science-Fiction oder „Frauenbücher“. Wenn mich etwas begeistert hat, schreibe ich darüber auf meinem Blog – und schrecke dabei auch nicht vor gut begründeten „Verrissen“ zurück.

Anne Sauer – fuxbooks

Ich bin Anne, komme ursprünglich aus der Verlagsbranche und arbeite seit einigen Jahren als Texterin in einer Kreativagentur. Ich lese vorwiegend Gegenwartsliteratur, habe eine Vorliebe für tief menschliche Geschichten, sprachlich clevere Details und spannende Charaktere. Für Fuxbooks lese und schreibe und rede ich über Bücher mit Texten, die nicht von mir sind, mich aber in irgendeiner Form beschäftigt haben. Und ihr könnt‘s euch denken – ich liebe Text. Text hat die Fähigkeit, uns alle unvorbereitet zu treffen, zu ertappen, zu amüsieren und zu verärgern. Und ein Text, der nichts in mir macht, ist für mich nur eine Aneinanderreihung von Worten – für wen anders bedeuten die aber vielleicht die Welt. Deshalb ist es ein großer Spaß, die verschiedensten Texte zu lesen, Juwelen zu entdecken und vor allem herauszufinden, für wen sie besonders wertvoll sind – und warum. Also her mit euren Rohdiamanten.

Marc Richter – Lesen macht glücklich

Seit mittlerweile über sechs Jahren blogge ich auf “Lesen macht glücklich” über die Bücher, die ich gelesen habe und die mich „glücklich“ gemacht haben. Dabei darf das glücklich nicht über das hinwegtäuschen, was ich eigentlich gern lese. Vor allem schwierige, zwischenmenschliche Probleme interessieren mich, bevorzugt mit zeitgenössischem Bezug. Genreseitig lege ich mich aber nicht so fest. Da darf es gern auch etwas wilder sein, auch Horror ist möglich, solange es sich dem gewählten Setting einfügt. Auch wenn dieser Vergleich ein großer ist, aber Stephen King lese ich recht gern, da er diese Züge in sich vereint. Er bringt all das zusammen, zeitgenössische, teils gesellschaftskritische Bezüge in Verbindung mit dem Horror, der sich langsam von hinten anschleicht. Wer es eine Nummer kleine haben möchte, um zu schauen, in welche Richtung ich mich gern bewege, dem empfehle ich noch die Bücher von Richard Lorenz („Amerika-Plakate“ und „Frost, Erna Piaf und der Heilige“), wo diese Zutaten ebenfalls sehr schön zusammengeführt werden.

Wie ihr seht, schrecken mich Zutaten der Phantastik nicht ab, solange es sich in ein reales Umfeld einbettet. Es ist aber kein Muss, auch Romane, die moderne Familienstrukturen verhandeln (oder auch alte), die Beziehungsgeflechte auseinandernehmen, sind gern gesehene Gäste in meinem Bücherregal.

Kurz noch zu meiner Person. Ich heiße Marc Richter, komme gebürtig aus Meißen, wohne aber mittlerweile im beschaulichen Franken im Fürther Umland. Ich habe Maschinenbau studiert und arbeite seit mittlerweile 11 Jahren im Energiesektor im Bereich Berechnung. Wie ihr seht, bin ich dadurch etwas abseitig vom Buchbetrieb aufgestellt und fälle meine Entscheidungen meist zuerst nach persönlichem Geschmack, versuche aber auch handfeste Kriterien anzulegen, wie Stil, Sprache und Struktur, um zu entscheiden, ob ein Text eine Runde weiter kommt oder nicht. Ich freue mich auf die neue Staffel des Blogbuster und eure Zusendungen.

Andrea Schuster – Lesen…in vollen Zügen

Seit zwei Jahren blogge ich auf “Lesen… in vollen Zügen” und seit zwanzig Jahren stehe ich schon als Buchhändlerin im Laden. Anderen meine Lieblingstitel schmackhaft zu machen liegt mir also im Blut, dazu brauche ich aber Geschichten, die sich vom öden Einheitsbrei abheben und mir etwas erzählen, was ich so noch nie gelesen habe. Ein Buch muss mich fesseln, mich mit dreidimensionalen Protagonisten überzeugen, aus gewohnten Erzählstrukturen ausbrechen und mich auch gerne mal an meinen Überzeugungen zweifeln lassen.  Am liebsten lese ich literarische Romane, die den Spagat zwischen guter Unterhaltung, geschliffenen Sätzen und ungewöhnlichen Prämissen schaffen. Mit Chicklit und Selbstfindungsbüchern kann ich leider gar nichts anfangen.

Isabella Caldart – novellieren

Isabella Caldart arbeitet als freie Journalistin, Kritikerin und Social-Media-Managerin und bloggt seit Anfang 2016 auf novellieren.com über Gegenwartsliteratur, Reisen und die Gesellschaft. Ein leichter Fokus liegt dabei auf Stadtromanen sowie Romanen aus den USA und dem spanischsprachigen Raum, außerdem streift sie gerne literarisch durch Städte weltweit. Den ersten Blogbuster lernte sie von der „anderen Seite“ kennen und betreute den Preisträger Torsten Seifert als Lektorin. Umso mehr freut sie sich jetzt darauf, für kurze Zeit als Literaturagentin zu fungieren. Sie sucht Romane, die sich durch interessante, gut ausgearbeitete Figuren, einem einzigartigen Umgang mit Sprache und radikaler Gegenwartsanalyse (oder der nahen Vergangenheit) auszeichnen. Genre, Dystopien/Utopien/Allegorien und zu blumige Beschreibungen haben es hingegen eher schwer. Ansonsten: Traut euch!

Romy Henze  – Travel without moving

Literatur, die mich berühren und begeistern kann, muss in erster Linie realistisch sein. Eher nebensächlich ist es, ob ein Buch einen neuen, gerne auch unkonventionellen Blick auf Bekanntes bietet oder ob es um ein Thema geht, das an sich ungewöhnlich ist. Mich fasziniert im echten Leben und im Leseleben alles, was mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat. Dabei interessieren mich besonders die feinen Nuancen beim Interagieren mit anderen und Schilderungen von Konflikten der Romanfiguren mit sich selbst oder mit ihrer Umwelt. Da darf es gerne auch um schwierige und herausfordernde Themen wie Krieg, Folter, Tod, Sterben und schwere psychische Erkrankungen gehen, aber immer muss es glaubwürdig und psychologisch überzeugend sein. Was mich begeistert, sind präzise Beobachtungen, kluge Beschreibungen und Bücher, die die menschliche Psyche einfühlbar machen und so nicht nur unterhalten, sondern auch aufklären, erklären und verstehen lassen.

Sophie Palme – VerStand.  Booktube

Nordic Noir und die Weite der russischen Wälder sind bevorzugte Sphären, in die ich mich literarisch gern begebe. Dabei folge ich Einzelgängern, Außenseitern, kaputten Existenzen, zerrütteten Familien, denen ich ungern im realen Leben begegnen würde. Ob die Personen dem Alltag enthoben sind oder nicht – es darf gern versponnen, abstrus und humorvoll sein. Manchmal genieße ich die Stille eines Buches; fiebere und hoffe aber auch bei jeder menschlichen Gefühlsregung mit. Die Darstellung von Innerlichkeit und Charakterstudien sind mir dabei wichtiger als ein rasant voranschreitender Plot. In der Literatur bin ich auf der Suche nach etwas Neuem und Innovativen, bin aber gerade für Rückgriffe auf Texte aus der Weltliteratur immer zu begeistern. Auf meinem Youtube-Kanal ‚VersTand‘, der seit fünf Jahren Bestand hat, bespreche ich vor allem Klassiker und wage mich dann in die Gegenwartsliteratur, wenn ich überzeugt bin, dass dort die eine Leseerfahrung wartet, die mir klassische Literatur nicht liefern kann.

Constanze Matthes – Zeichen & Zeiten

Das Blog „Zeichen & Zeiten“ ist Lesechronik und Reich der Empfehlungen zugleich. Hier versammeln sich seit November 2011 all jene Bücher, die mich bereichert haben. Neben der deutschsprachigen Literatur liegt der Fokus auf Büchern aus Skandinavien, Amerika, Frankreich und Osteuropa, auch auf jenen, die es nicht auf die Bestseller-Listen schaffen, aber trotzdem literarische Qualität und Anspruch in sich vereinen.

Bücher, die mir nichts sagen, die mir nicht gefallen, lege ich ungelesen zur Seite. Das Leben ist zu kurz, um schlechte Bücher zu lesen. Alljährlich warten unzählige neue Bücher auf Leser; was jedoch nicht heißen soll, dass ältere Titel vergessen werden. Vielmehr wagt es der Blog zu erinnern. Die Backlist jedes Verlages oder die Regale jedes Antiquariats sind reich an Titeln, die im schnelllebigen Literaturbetrieb weniger Aufmerksamkeit erhalten. Viele Bücher geraten in Vergessenheit, die es allerdings verdienen, bekannt zu sein. Das Interesse für sie (wieder) zu wecken – auch das ist Anspruch und Anliegen von „Zeichen & Zeiten“.