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Ausgewählt wurden Literaturblogs, die sich mit anspruchsvoller Gegenwartsliteratur beschäftigen, eine hohe Reichweite haben und bei Verlagen, Medien und der Online-Community einen guten Ruf genießen.

Mareike Fallwickl – Bücherwurmloch

Ich bin die Frau mit der Axt. Wahrscheinlich hat Kafka das eh nie so gesagt, aber es klingt halt verdammt gut: Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das will ich. Das Intensive, das Andere, das Einzigartige. Ich hab’s gern tiefgründig, schwermütig, intelligent und unbedingt mit Pfiff. Ich langweile mich schnell, und von guter Literatur erwarte ich genau das Gegenteil: dass sie mich rausreißt, mich wach macht, im Idealfall richtiggehend aufschneidet, mir ins Gesicht schlägt. Etwas in mir anrührt, Empfindungen auslöst – die gar nicht nur positiv sein müssen. Sarkastisch darf es sein, kraftvoll muss es sein. Deshalb gibt es im Bücherwurmloch eine feine, spezielle Auswahl emotionaler, tragischer und gewitzter Geschichten, die dem nicht genau definierten Genre Gegenwartsliteratur zuzuordnen sind. Keine Chicklit, kein Vampire, auf keinen Fall Thriller und Crime. Dafür Romane, die nicht untergehen im Meer der Gewöhnlichkeit. Sondern die Eis brechen können.

Ilke Sayan – BuchGeschichten

Ich schätze Bücher, die etwas in mir auslösen, mich bewegen. Sei es, dass sie mich nachdenklich stimmen, mir etwas völlig Unbekanntes aufzeigen oder auf eine ungewöhnliche Art eine neue Sicht auf bereits Bekanntes ermöglichen. Die Sprache ist dabei ebenso wichtig wie gut ausgearbeitete Charaktere. Ich muss mich nicht unbedingt mit den Figuren identifizieren, sie aber verstehen können. Ich genieße es, wenn ein Buch es schafft, mich sowohl mit seiner Stimmung als auch mit der Tiefe der Figuren und einem gelungenen Plot in seinen Bann zu ziehen. Rosarote, herzerwärmende Liebesgeschichten mit Happy End sind nichts für mich. Kompliziert sollte es sein. Fantasy ist nicht mein Fall, aber wohldosierten magischen Realismus mag ich gern. Krimis lese ich sehr selten, aber Abgründe wecken meine Neugier – die verborgenen, dunkleren Winkel der menschlichen Seele und der Gesellschaft. Ob ernst oder im richtigen Maße lustig und heiter: Wenn die Geschichte etwas in mir bewirkt und mich beschäftigt, bin ich glücklich.

Bozena Anna Badura, Janine Hasse & Sarah Jäger – Das Debüt

Wir, Sarah, Bozena Anna und Janine (v. links nach rechts), sind das Team vom Blog Das Debüt, auf dem wir uns seit 2014 ausschließlich mit Debütautorinnen / Debütautoren und ihren Romanen beschäftigen. Dabei fasziniert uns vor allem das Neue und Unverbrauchte, das oftmals in den Werken steckt. Wir schätzen Lektüren, die auf mehreren Bedeutungsebenen unsere Welt, Beziehungen und Handlungen kritisch reflektieren. Wir möchten Texte lesen, die einen anderen Blick auf scheinbar Selbstverständliches werfen, die Spannungen in Details und zwischen den Zeilen erzeugen sowie in Leerstellen noch etwas zu erzählen haben. Dabei ist es egal, ob wir im grotesk Verzerrten oder im Hyperrealistischen landen. Inhalt und Form sollten dabei immer Hand in Hand gehen, sprachlich darf es gern auch spielerisch oder experimentell sein, sofern es nicht in bloße Manieriertheit ausartet. Genreliteratur (Fantasy, Science-Fiction, Historienroman, ChickLit…) hat bei uns schlechte Karten und Happy Ends konnten uns bisher nur in seltensten Fällen überzeugen.

Uwe Kalkowski – Kaffeehaussitzer

Lesend in einem Kaffeehaus oder Café sitzen: Ort und Tätigkeit gehören für mich untrennbar zusammen. Als Kaffeehaussitzer stelle ich Bücher vor, die mich begeistert, bewegt oder inspiriert haben. Entscheidend dafür ist die Sprache: Schon die ersten Seiten eines Buches müssen mich sprachlich mitreißen, damit ich es nicht nach spätestens dem ersten Kapitel wieder weglege. Dabei ist es egal, ob es sich um ein literarisches Werk mit vielen Zeitebenen, einen spannenden Thriller oder ein Sachbuch zu einem geschichtlichen Thema handelt. Mag ich alles. Außerdem bin ich ein Identifikationsleser; wenn ich die Handlungen des  Protagonisten – so irrational sie auch wirken mögen – nicht nachvollziehen kann, weil er mir unsympathisch ist, bleibt mir das Buch fremd. Mein Lieblingsheld ist tragischer Natur, ein Einzelgänger, einer der schon viel eingesteckt hat, dem das Schicksal übel mitspielt. Einer der sich zwischen Fatalismus und Zorn noch einmal aufbäumt. Am liebsten erzählt in einer melancholischen, klaren und kargen Sprache. Und Happy Ends? Die finde ich langweilig.

Marcus Böhm – KulturErnten

Literatur ist für mich genau dann reizvoll, wenn sie über ihren eigenen Gegenstand – und zwar den des munteren Erzählens – hinausweist. Es kommt also nicht nur auf den Inhalt, sondern vor allem auf seine formale Aufbereitung an. Etwas mitzuteilen heißt mitunter zu bedenken, welchen Bedingungen diese Mitteilung selbst unterliegt. Ein guter Text kann im besten Falle beides: Er stellt sich thematisch den paradoxen Verhältnissen unseres Lebens und kommt zugleich dem Anspruch nach, eine eigens dafür entwickelte Ästhetik zu verfolgen. Über Literatur in der Öffentlichkeit nachzudenken ist für mich eine Art der Selbstverständigung, die sich stets der Prüfung durch Dritte auszusetzen weiß. Obwohl jeder doch sein eigenes Buch liest, visiert ihr streitbarer Maßstab das Allgemeine an – so wie es Literatur übrigens auch tun sollte: Denn der kleinste Hauch kann bereits in unendlich viele Richtungen ausschlagen und ist dann wiederum Ausdruck des großen Ganzen.

Ines Daniels – Letteratura

Auf Letteratura blogge ich seit April 2016 zumeist über zeitgenössische Belletristik. Schwerpunkte sind sowohl deutsche Literatur, als auch Romane aus dem englischsprachigen Bereich, sowie allgemein Literatur, die sich mit den Beziehungen zwischen verschiedenen Kulturen beschäftigt, oder auch Literatur, die im Nahen Osten, in Afrika oder Indien spielt. Wenn eine Geschichte gut erzählt ist, ist es aber erst einmal zweitrangig, wo sie angesiedelt ist und worum es genau dabei geht, obwohl mir natürlich manche Themen näher sind als andere. Verrisse gibt es selten, da ich Bücher, die mir nicht gefallen, meist abbreche und nichts besprechen möchte, das ich nicht komplett gelesen habe. Literatur darf und soll mich fordern, mich bewegen, sollte mich dabei unterhalten, gern meinen Horizont erweitern und mich zum Nachdenken anregen. Sprache und Stil sind mir wichtig. Ich mag es, wenn Literatur mir Fragen stellt und das Beantworten dieser Fragen mir überlässt.

Wolfgang Tischer & Malte Bremer – literaturcafe.de

Wolfgang Tischer, Gründer und Herausgeber des literaturcafe.de, und Malte Bremer, Literatur- und Textkritiker beim literaturcafe.de: »Ein guter Text überzeugt von Anfang an und macht neugierig. Es muss einfach etwas passieren und das muss gut erzählt sein. Nichts ist nerviger, als wenn schon im zweiten Absatz eine Rückblende oder Erklärung beginnt. Und bitte keine Prologe oder Vorbemerkungen. Wenn die Autorin oder der Autor dann noch die Sprache beherrscht, die Dinge logisch und nachvollziehbar schildert, Adjektive vermeidet und die Erzählperspektive stimmt, dann ist das optimal. Ein Text darf nicht langweilen, und wenn zwischen den Zeilen ab und an Humor durchscheint, ist das kein Nachteil.«

Sophie Weigand – Literaturen

Ich schätze literarisch das Besondere, das Unkonventionelle, den überraschend anderen Blick auf vermeintlich Bekanntes. Dabei spielt es allenfalls eine untergeordnete Rolle, in welchem Themenfeld sich ein Text bewegt; er soll etwas in mir bewegen und anstoßen. Das Abgründige zieht mich magisch an, mithin greife ich eher zu Lektüre, die aus Chaos und Zerstörung mithilfe der Literatur etwas Wahrhaftiges machen kann. Zu Büchern, die Selbstverständlichkeiten aufweichen. Mir liegt Sprachspielerisches, das mich aus einer neuen Perspektive auf Bedeutungen blicken lässt; kurz: Ich will nicht lesen und sehen, was ich in dieser Form ohnehin schon kenne. Nach diesen Kriterien wähle ich aus, ohne dogmatisch an ihnen festzuhalten. Mein Blog ist denkbar ungeeignet für spezielle Genreliteratur, insbesondere aus den Bereichen Fantasy, Historienroman oder Science Fiction. Darüber hinaus bin ich aber sperrangelweit offen für Kurzes, Ausuferndes, Heiteres, Tragisches und Absurdes.

Mia Weber – paperandpoetry

Hej, ich bin Mia und mich gibt es von jeher nur in Kombination mit einem Buch. Oder zwei. Oder drei. Eigentlich lese ich alles, was mir zwischen die Finger bzw. unter die Augen kommt, aber mit Vorliebe Texte und Geschichten, die mir aufgrund ihres sprachlichen Ausdrucks und ihres inhaltlichen Geschehens das Herz vor Freude hüpfen lassen. Das kann nämlich nur Literatur, dass man zuhause in seinen Schlumperklamotten sitzt und plötzlich das Gefühl hat, ganz woanders zu sein (und dabei nicht nur klug unterhalten wird, sondern bestenfalls auch noch was dazulernt)! Ihr merkt, ich finde ein bisschen Humor schadet nie und nehme nicht immer alles in dem bitteren Leben da draußen allzu ernst, mag aber trotzdem Geschichten, die mir etwas Echtes erzählen und dadurch mein eigenes Leben bereichern. Dabei ist es mir egal, ob es um Liebe, Freundschaft, Wissenschaft, Natur, Tiere, Krankheit, politisches Zeitgeschehen oder, oder, oder geht. Ich muss und will etwas beim Lesen spüren, etwas, das mich noch lange danach berührt und in Gedanken darüber grübelnd zurücklässt. Das sind für mich die besten Geschichten, die, die noch lange nachhallen.
Das findet man auch auf meinem Blog, den es in der Form seit etwas über einem Jahr gibt. Texte und Buchbesprechungen, die immer auch ein wenig persönlich sind. Denn Bücher werden erst durch uns Leser*innen vollendet, dadurch, was wir daraus machen und für uns selbst mitnehmen. Sie können uns verändern, uns staunen lassen, sprachlos machen oder auch vollends laut begeistert: ja, genau! ausrufen lassen.

Juliane Noßack & Stefan Diezmann – Poesierausch

Wir suchen den literarischen Rausch – das sagt ja auch schon unser Blogname. Auf Poesierausch besprechen wir, Juliane und Stefan aus Berlin, seit Ende 2014 Literatur. Hierbei vor allem Belletristik, keine Genre-, keine Krimi-, keine Sci-Fi- oder Fantasy-Bücher. Frische, junge Debüts dagegen sind unser geheimes Laster. Falls ihr uns mit eurem Text so richtig berauschen wollt, gibt es ein paar kleine Dinge zu beachten: Wir wollen Texte, die 1000-Mal-Gesagtes plötzlich so sagen, dass wir es auch noch 1000 Mal hören wollen. Texte, die nicht auf Trends schielen, Pathoskeule und Gefühlsschmalztöpfchen schön im Keller lassen, und auch mal genauso bescheuert wie genial sein dürfen. Form und Inhalt sollten zusammenpassen und speziell sein, etwas Besonderes, Wiedererkennbares an sich haben. Wenn ihr euch also hier irgendwo wiederfindet – oder auch einfach unser Bild vor weißer Wand mögt –, dann schickt uns euer Manuskript!

Frank O. Rudkoffsky – Rudkoffsky.com 

Das Bloggen ist nur eine meiner drei Superkräfte, mit denen ich kein Geld verdiene. Ich bin nicht nur selbst Autor, sondern seit 2011 auch Mitherausgeber der Literaturzeitschrift ]trash[pool. Nach acht Ausgaben erkenne ich inzwischen schnell, ob ein Text zu unserer Zeitschrift passt – etwa, indem er durch besondere Sprache oder Innovationsfreude besticht, mit Eigensinn oder ungewöhnlichen Perspektiven überrascht. Um einen ganzen Roman zu tragen, braucht es für mich allerdings mehr als bloß Sprache. Dort stehen für mich glaubwürdige Figuren und eine Geschichte im Vordergrund, die mehr will als bloß zu unterhalten. Eine Geschichte, die im besten Fall menschliche oder gesellschaftliche Abgründe auslotet, ohne dabei zu moralisieren. Erzählende Autoren wie Richard Yates oder Jonathan Franzen können mich ebenso begeistern wie ein David Foster Wallace: Ein guter Roman kann komisch und deprimierend zugleich sein, experimentell und dennoch fesselnd, schlicht, aber trotzdem mit Tiefgang – Hauptsache, er löst etwas in mir aus und liegt seinem Autor spürbar am Herzen.

Ruth Justen – Ruth liest

Solange ich denken kann, lese ich – oder denke ich, weil ich lese? Seit 2012 denke ich auf meinem Literaturblog „Ruth liest“ öffentlich über Literatur nach. Auf dem Blog stelle ich ausgewählte und unterm Strich empfehlenswerte Lektüre als Lesetipp vor. Warum? Weil ich mich selber immer wieder über Leseempfehlungen freue und über schlechte Bücher ärgere, weil sie verschwendete Lebenszeit bedeuten. Der Lesestoff geht mir dank des Austausches auf dem Blog, auf Facebook und Twitter nie aus. Und so reise ich unentwegt literarisch um die Welt. Dabei bevorzuge ich Gegenwartsliteratur, die tief in Menschen oder historische, politische und soziale Zusammenhänge blicken lässt.

Marion Rave – schiefgelesen

Online beschäftige ich mich seit zwei Jahren mit Literatur, offline dank Studium und Beruf schon deutlich länger. Ich lese vor allem “Gegenwartsliteratur”, so schwammig dieser Begriff auch ist. Bei Fantasy, Krimi und Historischem schrecke ich immer erstmal zurück, bin aber bereit, an meinen Vorurteilen zu arbeiten. Denkarbeit übernehme ich dabei dankend. Schon tausendmal gehörte Phrasen, flache Charaktere und unglaubwürdige Plot Twists versauen mir leider jedes Buch. “Schöne” Bücher und harmonische Liebesgeschichten interessieren mich nicht, ich habe Romane lieber abwegig, mit Ecken, Kanten und Abgründen. Verwinkelte Plots, die einen am Ende kalt erwischen, verschachtelte Tragödien und unzuverlässige Erzähler haben es mir angetan. Literatur muss dahin gehen, wo es weh tut, dann ist sie richtig.

Stefan Mesch – stefanmesch

Bei Runde 1 von Blogbuster öffnete ich die Manuskripte der Endrunde… doch rollte die Augen. Ich mag jede Sorte Literatur. Alle Genres. Nur Floskeln, Sprachschlamm, labbrige Sätze? Stopp! Ich empfehle Bücher bei u.a. Deutschlandfunk Kultur, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, blogge seit 2011 und arbeite sehr selbstkritisch an meinem ersten Roman. Als Sprach- und Rhythmus-Snob fehlen mir aktuell Geduld mit Schlampigkeit, stilistischen Baustellen: Sobald ich Texte für Verlage prüfe, reichen mir kluge Ideen. Den Stil kriegt man auch später noch sortiert! Als Blogbuster-Juror aber suche ich umgekehrt: Statt 18 Texte mit gutem Konzept, aber 20 Holprigkeiten pro Seite, wünsche ich mir Manuskripte von Menschen, die ihre Sätze selbst schon kritisch lasen, schliffen. Dir ist der Stil so wichtig wie der Plot? Dann los! Ich freue mich auf Einsendungen.

Milena Maren Röthig – textmagazin

»Was mir gefällt, sind Texte, die auf feinfühlige und feinsinnige Art erzählen; die mir eine neue Sicht auf die Welt zeigen. Das ist etwas, was Literatur kann: Eine feinsinnige Bahn einschlagen und sowohl Großes als auch Kleines und Alltägliches beleuchten, ausleuchten und in einem ganz neuen Licht präsentieren. Vielleicht ist es deswegen das realistische Erzählen, das mich am meisten reizt, egal ob Romane oder Kurzprosa. Das funktioniert oft in einer einfachen, nüchternen Sprache. Manche Stoffe erfordern aber auch eine andere Annäherung, ein anderes Erzählen. Sprache ist in der Literatur ja etwas, das den Kern umkreiselt, sich der Mitte immer mehr nähert. Das gefällt mir am Lesen, diese Auseinandersetzung, diese Bewegung, die ich in so vielen Büchern heraus spüren kann, zur Mitte hin, zu diesem Punkt, der trifft.« Milena Maren Röthig lebt in Hildesheim und schreibt neben Buchbesprechungen auch Essays, Kurzprosa und an ihrem ersten Roman. Auf „textmagazin“ liegt der Blick vor allem auf junger deutschsprachiger Gegenwartsliteratur.