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Ausgewählt wurden Literaturblogs, die sich mit anspruchsvoller Gegenwartsliteratur beschäftigen, eine hohe Reichweite haben und bei Verlagen, Medien und der Online-Community einen guten Ruf genießen.

54BooksTilman Winterling – 54books

Die Einschränkung meines Blogs auf Klassiker und anspruchsvolle moderne bzw. deutsche Gegenwartsliteratur macht es dem potentiellen Einsender nicht leicht. Ein Klassiker wird nicht geschrieben, sondern über Dekaden von Lesern und Kritikern als solcher anerkannt. Weil uns diese Zeit bei Blogbuster aber nicht zur Verfügung steht, sollte dein Roman fern von Genres wie Fantasy, Romance oder Jugendbuch anzusiedeln sein (nicht, dass es nicht auch dort Klassiker gäbe). Ich lege Wert auf einen persönlichen Stil, ein gelungener Ton und Ausdruck kann in meinen Augen einen schwächeren Plot vergessen machen, umgekehrt ist dies kaum möglich. Plakative Sprache und Geschichten, die ohne Nachdenken vom Leser nur konsumiert werden sollen, fallen bei mir durch. Gefühle wie „höhö“ oder „schmacht“ möchte ich beim Lesen nicht empfinden müssen.

kaffeehaussitzer_ukUwe Kalkowski – Kaffeehaussitzer

Lesend in einem Kaffeehaus oder Café sitzen: Ort und Tätigkeit gehören für mich untrennbar zusammen. Als Kaffeehaussitzer stelle ich Bücher vor, die mich begeistert, bewegt oder inspiriert haben. Entscheidend dafür ist die Sprache: Schon die ersten Seiten eines Buches müssen mich sprachlich mitreißen, damit ich es nicht nach spätestens dem ersten Kapitel wieder weglege. Dabei ist es egal, ob es sich um ein literarisches Werk mit vielen Zeitebenen, einen spannenden Thriller oder ein Sachbuch zu einem geschichtlichen Thema handelt. Mag ich alles. Außerdem bin ich ein Identifikationsleser; wenn ich die Handlungen des  Protagonisten – so irrational sie auch wirken mögen – nicht nachvollziehen kann, weil er mir unsympathisch ist, bleibt mir das Buch fremd. Mein Lieblingsheld ist tragischer Natur, ein Einzelgänger, einer der schon viel eingesteckt hat, dem das Schicksal übel mitspielt. Einer der sich zwischen Fatalismus und Zorn noch einmal aufbäumt. Am liebsten erzählt in einer melancholischen, klaren und kargen Sprache. Und Happy Ends? Die finde ich langweilig.

iljaIlja Regier – Muromez

»Scheiße, warum bin ich schon am Ende angelangt?«, wenn diese Frage auftaucht, kann ein Buch was. Das muss nicht immer vorkommen, aber Bücher dürfen mich nicht quälen. Damit meine ich nicht, dass sie keinen Anspruch haben sollen, nein. Schwere Kost und komplex darf es schon sein, aber sie müssen mich anlächeln und gleichzeitig kein Muss verursachen. Ansonsten muss ich mich mit dem Stoff anfreunden können, sprachlich, stilistisch, ästhetisch, Logik schätze ich dabei. Ein Buch muss mich weiterbringen, sonst hat es den Zweck verfehlt, und dann auch noch unterhalten. Ich muss entdecken können, worauf der Verfasser hinaus will, was er der Welt und mir als Empfänger senden möchte. Die Prinzipien können beim Lesen und Bewerten immer variieren.
Grundsätzlich bin ich für alles offen, habe mich insgesamt auf Geschichten spezialisiert, die in Osteuropa spielen, besser gesagt in den ehemaligen Ländern der Sowjetunion. Ansonsten setze ich mich viel mit „Häftlingsliteratur“ (Nationalsozialismus, Stalinismus) auseinander, gerne behandele ich auch Werke, die von Süchten und Kriegen/Konflikten handeln.

Sophie Weigand – Literaturenbildschirmfoto-2016-10-03-um-13-11-29

Ich schätze literarisch das Besondere, das Unkonventionelle, den überraschend anderen Blick auf vermeintlich Bekanntes. Dabei spielt es allenfalls eine untergeordnete Rolle, in welchem
Themenfeld sich ein Text bewegt; er soll etwas in mir bewegen und anstoßen. Das Abgründige zieht mich
magisch an, mithin greife ich eher zu Lektüre, die aus Chaos und Zerstörung mithilfe der Literatur etwas Wahrhaftiges machen kann. Zu Büchern, die Selbstverständlichkeiten aufweichen. Mir liegt Sprachspielerisches, das mich aus einer neuen Perspektive auf Bedeutungen blicken lässt; kurz: Ich will nicht lesen und sehen, was ich in dieser Form ohnehin schon kenne. Nach diesen Kriterien wähle ich aus, ohne dogmatisch an ihnen festzuhalten. Mein Blog ist denkbar ungeeignet für spezielle Genreliteratur, insbesondere aus den Bereichen Fantasy, Historienroman oder Science Fiction. Darüber hinaus bin ich aber sperrangelweit offen für Kurzes, Ausuferndes, Heiteres, Tragisches und Absurdes.

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Seit 2013 stelle ich auf meinen Blog „lust zu lesen“ Bücher vor. Mit dem
einzigen Ziel, Lust auf Bücher machen zu wollen. Am liebsten Lust auf Bücher,
die nicht schon im Vorfeld als Bestseller gehandelt werden. Mich fasziniert es,
wenn ich neben den „großen“ Büchern das kleine finde, das mich neugierig macht.
Das auf eine gewisse Weise anders ist. Das mich beim Lesen überrascht und dem ich viele Leser wünsche. Also: Schick mir dein Manuskript, wenn du mich auch überraschen willst. Wenn du Charaktere lebendig werden lässt, die nicht bis zur Unkenntlichkeit glattpoliert sind, sondern Ecken und Kanten haben. Wenn dir die Tiefen auszuloten wichtig ist und du  Melancholie in Worte fassen kannst, ohne in Destruktivität zu versumpfen. Wenn deine Story anders ist, aber nicht zwanghaft originell sein will. Ich mag feinen, ruhig auch schwarzen Humor, aber keine platten Witze. Auf blutige Thriller, Science Fiction, Klischees und Happy-Ends verzichte ich gerne, nicht aber auf geschliffene Sprache.

FullSizeRender 2Mareike Fallwickl – Bücherwurmloch

Ich bin die Frau mit der Axt. Wahrscheinlich hat Kafka das eh nie so gesagt, aber es klingt halt verdammt gut: Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das will ich. Das Intensive, das Andere, das Einzigartige. Ich hab’s gern tiefgründig, schwermütig, intelligent und unbedingt mit Pfiff. Ich langweile mich schnell, und von guter Literatur erwarte ich genau das Gegenteil: dass sie mich rausreißt, mich wach macht, im Idealfall richtiggehend aufschneidet, mir ins Gesicht schlägt. Etwas in mir anrührt, Empfindungen auslöst – die gar nicht nur positiv sein müssen. Sarkastisch darf es sein, kraftvoll muss es sein. Deshalb gibt es im Bücherwurmloch eine feine, spezielle Auswahl emotionaler, tragischer und gewitzter Geschichten, die dem nicht genau definierten Genre Gegenwartsliteratur zuzuordnen sind. Keine Chicklit, kein Vampire, auf keinen Fall Thriller und Crime. Dafür Romane, die nicht untergehen im Meer der Gewöhnlichkeit. Sondern die Eis brechen können.

JoKi_portait_blogbusterJochen Kienbaum – lustauflesen.de

Jochen Kienbaum lebt und liest in Berlin, und Literatur darf bei ihm alles, nur nicht langweilen. Wenn auf einem Buch das Label »Gehobene Belletristik« prangen könnte, dann gefällt es ihm. Seine großen Säulenheiligen heißen Arno Schmidt, James Joyce und Samuel Beckett. Wenn Romane verwegen dick, ausufernd, megalomanisch, wahnwitzig und herausfordernd sind, greift er zu, zum Beispiel bei Frank Witzels »Die Erfindung …« oder Guntram Vespers »Frohburg«, um zwei preisgekrönte Werke zu nennen. Was Jochen Kienbaum dennoch vermisst, sind Romanschriftsteller deutscher Sprache die auch einem David Foster Wallace, einem Joshua Cohen oder dem Altmeister Thomas Pynchon das Wasser reichen dürfen. Aber auch Trauben, die nicht ganz so hoch hängen sind schmackhaft. Jochen Kienbaum betrachtet »lustauflesen.de« als ein journalistisch-feuilletonistisches Angebot und seine Artikel und Besprechungen wollen mehr sein als flinke Empfehlungen.

Gerrit ter Horst und Tabitha van Hauten – Zeilensprüngezeilenspruenge_zusammen

Wir, Gerrit und Tabitha, sind zwei Literaturstudenten aus Berlin. Auf »Zeilensprünge« besprechen wir primär Gegenwartsliteratur und Romane des 19. und 20. Jahrhunderts. Dabei geht es uns um die kritische Analyse des Textes, aber auch um das Aufspüren von literarischen Traditionen und Kontinuitäten, die helfen, das weite Feld der Gegenwartsliteratur fassen und mögliche Trends ablesen zu können. Wir versuchen, Texte nicht bloß nach subjektivem Geschmack, sondern anhand objektiver Kriterien zu bewerten und mit anderen zu diskutieren. Was uns an Literatur fasziniert, ist die Sprache und die Form, nicht die Handlung. Fernab von trübem Ich-Realismus, der exhibitionistischen Selbstbekenntnisprosa und den Berlin Mitte-Befindlichkeiten der Gegenwartsliteratur suchen wir nach Literatur, die es wagt, mit konventionellen Formen zu brechen.

birgit-boellinger_2Birgit Böllinger – Sätze & Schätze

Seit 2013 finden sich unter dem Titel „Sätze&Schätze“ die literarischen Sätze und Schätze, die sich in einem Leserleben ansammeln: Schwerpunkte liegen auf der Literatur der Weimarer Republik, nordamerikanischen Autoren sowie zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur. Ab und an werden literarische Orte vorgestellt und Kunst geschaut, weil Lesen eben doch nicht alles ist…
Der Blog ist ein reines Freizeitvergnügen von Birgit Böllinger, Jahrgang 1966, im Hauptberuf Pressesprecherin einer Gebietskörperschaft (Bezirk) in Bayern. Regelmäßig bringen auch Gastautoren frischen Wind und neue Ansätze auf die Seite, die sich mit Lust&Leidenschaft Sätzen&Schätzen der Literatur verschrieben hat.

Constanze Matthes – Zeichen & ZeitenConstanze Matthes

Der Blog „Zeichen & Zeiten“ ist Lesechronik und Reich der Empfehlungen zugleich. Hier versammeln sich seit November 2011 all jene Bücher, die mich bereichert haben. Neben der deutschsprachigen Literatur liegt der Fokus auf Büchern aus Skandinavien, Amerika, Frankreich und Osteuropa – auch auf jenen, die es nicht auf die Bestseller-Listen schaffen, aber trotzdem literarische Qualität und Anspruch in sich vereinen. Bücher, die mir nichts sagen, die mir nicht gefallen, lege ich ungelesen zur Seite. Das Leben ist zu kurz, um schlechte Bücher zu lesen. Alljährlich warten unzählige neue Bücher auf Leser, was jedoch nicht heißen soll, dass ältere Titel vergessen werden. Vielmehr wagt es der Blog zu erinnern. Die Backlist jedes Verlages oder die Regale jedes Antiquariats sind reich an Titeln, die im schnelllebigen Literaturbetrieb weniger Aufmerksamkeit erhalten. Viele Bücher geraten in Vergessenheit, die es allerdings verdienen, bekannt zu sein. Das Interesse für sie (wieder) zu wecken – auch das ist Anspruch und Anliegen von „Zeichen & Zeiten“.

sarahreulblockbuster-jpegSarah Reul – Pinkfisch

Bei Pinkfisch versammeln sich kurze und prägnante Leseeindrücke. Als Buchhändlerin wollte ich diese einem größeren Publikum zugänglich machen, und der Blog bot mir dafür die ideale Bühne. Ich blogge für alle, die sich für Literatur und den Buchhandel interessieren. Leserinnen und Leser, Menschen auf der Suche nach Lesestoff und Empfehlungen. Ich möchte für das Lesen begeistern, für Romane, Jugendbücher, Klassiker, Kurzgeschichten, ich lese querbeet und bin nicht festgelegt auf eine bestimmte Art von Literatur. Hier findet sich Jane Austen neben Erich Kästner und Haruki Murakami neben Benedict Wells – ich liebe gut erzählte Geschichten. Pinkfisch ist authentisch und steht für Begeisterung und positive Vernetzung. Gerade das Hervorheben von besonderen Büchern, Autoren und kleineren Verlagen ist über die Jahre zu einem Schwerpunkt geworden, der mir sehr am Herzen liegt.

Gérard Otremba – Sounds & BooksGerard Otremba

Sounds & Books ist ein Online-Magazin für Musik und Literatur, das ich als Chefredakteur verantworte. Neben meinem ehemaligen Wirken als Buchhändler, arbeitete ich als Journalist u.a. für die Frankfurter Rundschau. Zur Zeit schreibe ich gelegentlich Buchbesprechungen für das Rolling Stone-Magazin. Die erlernte journalistische Objektivität zeichnet die Musik- und Buchrezensionen bei Sounds & Books aus, subjektive Befindlichkeiten haben keinen Einfluss auf die jeweiligen Kritiken. Je anspruchsvoller die Literatur, desto schöner die Herausforderung für mich als Rezensenten. Wer also literarisch mit z. B. Ian McEwan, Jonathan Franzen, Richard Powers, Dieter Forte, John Updike, J.D. Salinger, Eugen Ruge oder aber auch Sven Regener konkurrieren möchte, darf sich getrost an mich wenden.

BBP-foto KHKatharina Herrmann – Kulturgeschwätz

Für schlechte oder mittelmäßige Bücher fehlt mir die Geduld. Ein Buch sollte mehr zu sagen oder darzustellen haben als einen bloßen Plot. Stereotype Figuren langweilen mich. Ich habe die Tendenz, Bücher politisch und gesellschaftskritisch zu lesen, mag mutige Bücher und lege Wert auf eine bewusst gestaltete Sprache. Ein Buch darf ruhig komplex sein, auch sprachlich. Ich mag es nicht, wenn ein Autor dem Leser keine Interpretation zutraut. Im Idealfall berührt ein Buch das Allgemeinmenschliche. Leider habe ich kein Herz und keinen Humor, entsprechend interessieren mich Liebesgeschichten in der Regel nicht, lustige Bücher finde ich oft sehr unlustig. Ich brauche kein Happy End. Aber ich habe ein Gehirn, und im Idealfall schafft es ein Buch, mich ordentlich zu verwirren. Wenn es mich darüber hinaus auch noch emotional trifft, obwohl ich kein Herz und keine Gefühle habe, dann wäre das großartig. Solche Texte würde ich gerne bekommen.

Sandro Abbate – noveleroa68329c21ae610b55ea40aa07cf6ef6fresrelease4_q6

Als freier Autor und Texter beschäftige ich mich fast rund um die Uhr mit Geschriebenem. Da wählt man dann doch kritischer aus, was man in seiner Freizeit liest. Seit 2014 veröffentliche ich Buchkritiken, Autorenportraits und Interviews auf meinem Literaturblog novelero.de. Neben der deutschsprachigen Literatur haben die lateinamerikanischen Schriftsteller, allen voran Gabriel García Márquez, angetan. Generll ist mir bei Literatur wichtig, dass Form und Inhalt stimmen, also ein Buch nicht einfach gut und unterhaltend geschrieben ist, sondern immer auch etwas mitzuteilen hat. Deshalb finde ich auch, dass viel zu wenig gesellschaftskritische Romane geschrieben werden.

petzi

Petra Lux – Die Liebe zu den Büchern

Ich möchte Bücher, die begeistern, fesseln, nachdenklich stimmen und dabei so gut sind, dass sie mich auch Tage später nicht loslassen.  Ich will Texte lesen, die mich aufwühlen und Grenzen überschreiten. Ganz gleich ob nun Gegenwartsliteratur, Krimi, Thriller oder Sachbuch. Ich beschränke mich nicht auf eine Art von Literatur und bin offen für viele Genres. „Die Liebe zu den Büchern“, online seit Februar 2012, versteht sich als Anlaufstation für Leser, die Bücher ebenso lieben und Lust haben, immer wieder neuen Lesestoff zu entdecken.