Leseprobe: Tina Ger – „Das Angeln von Piranhas“

Schließlich gelangen wir am Abend vor die Tore Poconés. Der Himmel ist unsichtbar vor tief hängenden Wolken, die immer weiteren Regen versprechen. Die schwüle, heiße Luft drückt unsere Körper in die Sättel. Die Pferde sinken im tiefen Matsch ein. Das schmatzende Geräusch ihrer schweren Schritte begleitet uns seit Stunden. Im andauernden Regen hat sich die alte Straße zu einem einzigen Sumpf verwandelt. Sie ist eigentlich nicht mehr als eine unbefestigte Fahrrinne, die rechts und links von kniehohen Steinen markiert wird. Sie haben die Brocken einst aus den Gruben geholt, in denen Gold geschürft wurde. Auch ihre Häuser bauten die Pantaneiros aus Goldgräbergeröll. Das ist lange her. Es ist kaum mehr jemand da, der sich an diese Zeit erinnern kann. Die weit verzweigten Minen sind längst erschöpft. Die Stollen sind zugeschüttet oder werden in der Nähe der Grenze nach Bolivien zum Schmuggel benutzt. Niemand interessiert sich mehr für diese trostlose Gegend. Einzig die Verlierer und Bandidos sind im Pantanal geblieben. Und das ist vielleicht auch gut so. Unsere Pferde sind nach dem Gewaltmarsch so erschöpft wie wir. Sie stehen vor Dreck. Tier und Mensch teilen denselben Geruch. Das ist das Schicksal des Vaqueiros. Immerhin hat der Regen die Fliegen und Mücken vertrieben. Einen Teil der Rinder, die sich schwerfällig von unseren Pferden treiben lassen, führen wir auf die Ranch, die den Verkauf übernehmen wird. Den Rest der Herde treiben wir zum Schlachter. Damit ist unsere Arbeit nach Anbruch der Dunkelheit getan. Ich steige vom Pferd ab. Meine müden Knie geben dem Gewicht meines Körpers für einen Moment nach. Das Pferd schnaubt.
Die Brüder werden am nächsten Morgen mit den Pferden zurück nach Quatro Santos reiten. Ich lasse mein Reittier bei ihnen, schultere den Inhalt meiner Satteltasche und winke am Straßenrand bei Poconé einem Mototaxi. Es wird mich nach Hause bringen. Ich habe zwischen den verlassenen Goldgräbergruben und der Stadt eine Chácara gekauft. Mein Grundstück umfasst einen winzigen Hof samt baufälliger Backsteinhütte. Trotz der Tristesse bin ich stolz auf mein Heim. Es ist alles mein Besitz, von dem Geld erworben, das ich als Callboy verdient habe. Ein ervögeltes Stück Heimat. Man sieht dem Land die ruchlose Finanzierung nicht an. So ist es gutes Geld geworden das mich glücklich macht. Dass dieser blutleere Sex zu mehr als meiner Vernichtung zu gebrauchen sein würde, hätte ich in Fortaleza nicht zu ahnen gewagt. War ich nicht unweigerlich auserkoren unterzugehen? Der Regen des Pantanals hat meine törichten Sehnsüchte ertränkt. Mein Garten, meine Pflanzen, die schweren Früchte an den Bäumen sind jetzt meine Leidenschaft, obwohl ich der Natur um mich herum früher nie etwas abgewinnen konnte. Plötzlich aber erfüllt mich die Gartenarbeit mit inneren Frieden. Ich habe die ewige Enttäuschung hinter mir gelassen. Sie irrt in Fortaleza um die Häuser selbstgewählter Gefangenschaft. Heute kann ich mich über eine neue Blüte, eine reife Mango oder sprießenden Setzling mit seltener Freude ereifern, denn ich habe die Freiheit gefunden. Mein Herz schlägt in Erwartung der herrlichen Idylle, die mein Refugium mir verspricht.
Auf dem Mototaxi schlägt mir neuer Regen erbarmungslos ins Gesicht. Das Zweirad kämpft sich in dunkler, sternenloser Nacht durch die tiefen Pfützen, die sich in den Schlaglöchern der Geröllpisten gebildet haben. Alle paar Meter springen riesige Käfer in das Licht des Scheinwerfers und finden ihren frühen Tod unter den Reifen unseres schlitternden Gefährtes. Trotz dem flatternden Regenponcho bin ich mittlerweile völlig durchnässt. Am Ende der Straße nähern wir uns meinem Domizil. Im Lärm des Regens und Motors hört mich der Führer meines Motortaxis nicht. Ich klopfe ihm auf die Schulter und zeige auf das Tor zu meinem Hof. Er hält rutschend im Matsch. Aus meinem Sack, den ich in der Satteltasche mitgeführt habe, ziehe ich das Geld, das mir meine Königin gegeben hat. Dann gebe ich den Helm zurück und gehe durch den Regen den schlammigen Weg zu meinem Haus hinauf. Da ich keine Wertgegenstände besitze, schließe ich manchmal nicht ab. Nicht so dieses Mal. Ich fluche, stehe im strömenden Nass und suche nach dem Hausschlüssel im Sack. Ein Klimpern leitet mich bis in die Tiefen und schließlich stoße ich mit den Fingerspitzen auf Metall und ziehe ihn hervor.
In meinem Haus schüttle ich mich wie ein Hund. Von jeder Haarspitze fliegen Wassertropfen, die im Flur an die Wände klatschen. Ich reiße mir die nassen Klamotten vom Leib, lasse sie achtlos im Flur liegen und trete nackt in die Küche um Wasser aufzusetzen. In der Hitze der schwülen Nacht trocknet mein Körper nicht. Die Luftfeuchtigkeit vermengt sich mit dem Regen auf meiner Haut zu einem feuchten Film, der sich anfühlt, als würde ich in seichtem Brackwasser stehen. Es stinkt. Das bin ich. Der Kessel auf dem Gasherd pfeift. Ich gieße das heiße Wasser in eine Tasse und verlasse die Küche, um ein Handtuch zu suchen. Das Haus liegt im Dunklen. Ich entzünde kein Licht, um die wasserscheuen Moskitos nicht zu mir in meine trockene Höhle zu locken. Mit meiner dampfenden Tasse in der Hand, beobachte ich den Regen, wie er monoton gegen die Scheiben knallt, als fahnde er nach einem Weg hinein. Die Nacht ist mondlos. Gedankenverloren lehne ich mich gegen den Holzpfosten, der die Mitte meines Hauses bildet und verharre in dankbarem Sein um meine neue Unabhängigkeit und die köstliche Ruhe, die mich umgibt, als sich plötzlich ein Schatten in meinem alten Korbsessel bewegt. Das Geflecht knarrt, als säße jemand in ihm.
Oi, höre ich eine leise Stimme aus dem Sessel kommen. Meine Hände verkrampfen sich um die Tasse Tee, die ich halte. In meinen Nacken fährt eine feine Gänsehaut. Ich ziehe die Schultern hoch, als müsse ich mich wappnen, als gelte es sich zu verteidigen. Die Anspannung pulsiert durch meine Glieder. Mein Herz pumpt das Blut durch meinen Körper und peitscht Leben in mich, das ich nicht haben will. Wie ein Puma starre ich in die Nachtschwärze meines Hauses. In der fahlen Dunkelheit kann ich die Silhouette einer Frau ausmachen, die im Korbstuhl ihre Beine übereinander schlägt als wäre sie zu Hause und genieße die Aussicht. Ihre Arme ruhen auf den Lehnen. Dann höre ich den alten Sessel unter ihrem Gewicht wieder stöhnen. Sie setzt sich auf, um mir ihr Gesicht zuzuwenden und meine Augen verarbeiten die Information, die in meinem Gehörgang schon längst zu Realität geworden ist: Sie ist es. Es ist Yara.
Aus meinem Körper weicht alles Gefühl. Ich verliere die Kontrolle über meine Muskeln und höre die Tasse mit einem lauten Klirren auf dem Steinboden aufschlagen. Sie zerspringt in tausend Teile. Das heiße Teewasser, das sich auf dem Boden um meine nackten Füße ausbreitet, spüre ich nicht. Yara…, dringt meine eigene Stimme zu mir, als gehöre sie mir nicht.
Es war offen, sagt sie als interessiere mich, wie sie ins Haus gekommen ist.
Yara…, wiederhole ich atemlos und fühle mich nicht fähig weitere Worte zu gebrauchen.
Die Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf ohne dass ich sie wirklich denken kann. Es tost zwischen meinen beiden Ohren als wären alle Meeresozeane in mir eingeschlossen und brandeten gegen meine Gehirnwände.
Yara…, höre ich mich wieder und höre meine eigene Fassungslosigkeit.
Ja, ja, ich bin es.
Vollkommen unbeeindruckt von meiner Erregung, lehnt sie sich im Korbsessel zurück. Sie ist es, hallt es durch meinen Kopf. Sie ist hier. Ich sehe sie und kann es doch irgendwie nicht recht fassen. Es ist einfach zu unmöglich.
Musst du unbedingt am Ende der Welt wohnen?, höre ich sie wie eingeschnappt fragen und dann zieht sie ihre Beine zu sich heran und umschlingt sie mit den Armen.
Das Kinn lässt sie auf die Knie gleiten.
Es ist ziemlich nass hier, höre ich sie sich weiter beklagen und habe plötzlich das Gefühl mich an dem Pfosten, bei dem ich stehe, festhalten zu müssen.
Ich schwanke. Es ist ein Schwindel, der mich erfasst, wie im völligen Rausch. Die Scherben unter meinen Füßen stören mich nicht, denn meine Sinne überflutet eine übermächtige Welle von Glück. Jede Faser meines Seins entledigt sich der Schwere und gleitet in eine Form von Enthusiasmus wie ich ihn nur nach sportlichem Erfolg kenne. Ich spüre die Anspannung aus den Gliedern fahren und einem völligen Taumel Platz machen. Eine ausgelassene Aufregung packt mich, die sich auf meinen Atem niederschlägt.
Yara!, sage ich wieder.
Ein Strahlen fällt mir auf die Lippen. Ich muss vollkommen bescheuert aussehen.
Kannst du auch noch was anderes sagen?, höre ich von ihr und fühle mich bestätigt.
Sie hat die Stimme erhoben. Offenbar ist sie genervt. Ich lasse mich davon nicht entmutigen, sondern steige über die knirschenden Scherben und greife nach ihrer Hand. Sie sieht zu mir auf. Ihr Blick gleitet über die Nacktheit meines Körpers ohne die geringste Scheu. Ihre unerschöpfliche Selbstsicherheit hat mich schon immer erstaunt. Sie steht über den Dingen und über mir obgleich sie sitzt und ich stehe. Ich sehe sie die Stirn in Falten legen. In alter Gewohnheit sieht sie sich den Ton angeben, doch dem komme ich zuvor. Steh auf, fordere ich, weil ich sie in der Dunkelheit des Korbsessels kaum sehen kann.
Nein, erwidert sie störrisch, ich muss mich erholen. Ich war drei Tage, hörst du, drei Tage im Bus unterwegs, um hierher zu kommen und dann warst du nicht mal da.
Sie ist scheinbar wirklich sauer auf mich.
Jetzt bin ich ja da, beruhige ich sie und kann gleichzeitig nicht genug von ihren Beschwerden bekommen.
Dass sie mich in der Abgeschiedenheit meiner Hütte so vermisst hat, verschafft mir Befriedigung. Ich will, dass es genau so ist. Ohne weiter auf ihren Widerwillen zu achten, ziehe ich sie aus dem Korbsessel und trete einen Schritt zurück, um sie betrachten zu können. Ihr rotbraunes Haar ist heller geworden. Blonde Strähnen fallen ihr ins Gesicht. Sie streicht sie sich aus der Stirn. In der nachlässigen Bewegung ihrer Hand liegt diese betörende Sinnlichkeit, die mich fast besinnungslos macht. Ihre blasse Haut ist der brasilianischen Bräune gewichen, die unvermeidbar erst den Nacken und dann den ganzen Körper erfasst. Sie steckt immer noch in zu engen Röhrenjeans, als gäbe es keine anderen Größen. Ich ziehe sie zu mir heran, um ihre Haut auf der meinen zu spüren, doch sie entwindet sich mein Griff.
Cowboy, du stinkst!
Sie rümpft die Nase und sieht mich herausfordernd an. Ich schnappe sie mir unbarmherzig. Mit einem schnellen Griff lege ich ihr die Arme auf den Rücken und halte sie fest. Luca!, beschwert sie sich.
Halt den Mund, Yara, bestimme ich.
Sie sieht mich überrascht an. So kennt sie mich nicht, denn ich habe mich in der Zwischenzeit verändert. Ihr Protest verhallt ungehört. Damit hat sie nicht gerechnet. Ich gebe ihr Zeit mein neues Ich zu verarbeiten. Sie bemerkt die Muskeln meiner Oberarme, die sie halten. Sie sieht die neuen Dimensionen meines Körpers, den die schwere Farmarbeit geformt hat und beginnt zu verstehen, dass sie es heute mit mehr zu tun bekommt, als meinem alten ihr erlegenem Sein. Ich war schwach und dumm. Endlich lasse ich ihre Arme los, um ihren Kopf in meine Hände zu nehmen.
Du gehst also nicht duschen?
Nein, sage ich tonlos und weiß, dass sie die neuen Machtverhältnisse verstanden hat.
Ich brauche sie nicht mehr, als sie mich. In den Sekunden, die verstreichen, fügt das Schicksal unserer Vernichtung ein neues Kapitel hinzu. Ich fahre mit dem Daumen die Kontur ihres zornigen Schmollmundes ab. Ich betrachte die helle Linie oberhalb ihrer Lippen und bin fast besinnungslos vor Lust. Das vage Wissen um den Untergang wird von meiner Begierde ausgelöscht. Sie macht mich zu Fleisch. Das morsche Brummen meines Verstandes verstummt. Auch Yara sagt irgendetwas, doch ich höre nichts mehr. Ich bin komplett ausgeschaltet. Meine Glieder vibrieren. Die Sehnsucht der letzten Monate erfüllt mich vollkommen. Ich beuge mich zu ihr und lege meine Lippen auf die Ihren. Sie schmecken nach Stadt. Das sind die unsichtbaren Spuren eines Lippenstifts, der auf der langen Busreise seine Farbe verloren hat. Irgendwann stoße ich auf ihre Zähne und werde ich ihrer Zunge gewahr, wie sie mir über die Lippen fährt. Dann schwappt die Erregung in sie, die mir längst aus allen Poren strahlt. Ich werde mir ihres Atems bewusst. Meine Hände greifen nach ihrem T-Shirt, das zu eng anliegt, um es ihr einfach über den Kopf streifen zu können, weshalb sie ihre Hände von meiner Brust nimmt und so mühelos aus ihren Klamotten gleitet, als wären sie nur aufgemalt.
(…)
*
Im Schatten des Papayabaums sitze ich in meinem alten Korbsessel und beobachte Yara wie sie durch den Garte streift. Sie greift nach allen Blüten, lässt sie sich durch die Finger gleiten und riecht dann und wann an ihnen, als wäre sie eine große Kennerin dieser oder jener Pflanzengattung. Sie hat sich meinen breitkrempigen Hut aufgesetzt und tief ins Gesicht gezogen. Heute scheint sie der Pferdegeruch nicht zu stören. Ich kann meine Augen nicht von ihr nehmen. Sie erscheint mir wie eine Reinkarnation von Frau und gleichzeitig als müsse der Begriff gänzlich neu für sie erfunden werden. Mit dem Daumen hat sie sich in ihr Bikinihöschen eingehakt. Ein Bein angewinkelt steht sie in meinem Unterhemd da und winkt flüchtig in meine Richtung. Die Sonne lässt den weißen Stoff durchsichtig werden. Endlich weiß ich, wofür dieses unerbittliche Strahlen vom Himmel gut sein soll. Aus Yara macht das grelle Licht eine durchscheinende Erscheinung obgleich ich sie wohl niemals verstehen werde. Sie ist atemberaubend schön. Sie entfacht meine Lust mit jedem Schritt, den sie vermeintlich harmlos umherspaziert. Sie ist mit meinem Begehren in ein stummes Gespräch vertieft. Es ist ein stetes Anschwellen und Aufbäumen von Argumenten und Stimmungen, die sich meinem Verstand entziehen. Ich spüre den Schwingungen nach und bin ihr völlig ausgeliefert. Mir liegt schon den ganzen Morgen ein Grinsen im Gesicht das sich nicht mehr fortwischen lässt. Ich bin wie Trunken vor Glück. Nur zugekokst oder im Vollrausch habe ich mich jemals so erfüllt gefühlt. In diesem unwirklichen Rausch verharre ich in meinem schattigen Korbsessel. Wir befinden uns in einem Moment des Stillstandes, ohne das alles wie eingefroren wirkt, sondern eher dieser lebendige, flirrende Stillstand kurz vor dem Start einen Rennens. Dieser eine Augenblick, in dem alle Eindrücke in doppelter Intensität einwirken. Manchmal wage ich es mich kaum, mich der schnöden Realität des Atmens hinzugeben, um das Überirdische ihres Seins nicht zu erschüttern und sie womöglich zu vertreiben. Mein Glück ist so unwirklich, ich kann es noch gar nicht fassen. Sie ist da. Hier. Bei mir. Im Vorbeigehen berührt mich sachte ihr ausgestreckter Zeigefinger. Sie fährt meinen Oberarm hinauf, verharrt einen Moment in meinem Nacken und zieht weiter ihre Kreise durch den Garten und auf das Haus zu. Ein Prickeln bleibt mir auf der Haut zurück. Die Intensität ihrer Anwesenheit lässt meinen Körper beben. Meine Empfindungen gehorchen mir längst nicht mehr. Sie haben sich ihr ergeben. Im Haus höre ich sie in der Küche klappern. Ich überlege mir zu ihr zu gehen und ihr mein Unterhemd vom Körper zu reißen doch dann sehe ich sie schon wieder in den Garten treten. Den Hut hat sie im Haus gelassen. Dafür hält sie jetzt eines der Buschmesser in der rechten Hand, die ich zur Farmarbeit benutze und kommt damit auf mich zu. Sie kneift die Augen zusammen, da die Sonne mir im Rücken steht und sie blendet.
Nimm, sagt sie und reicht mir das Messer.
Ich greife danach. Dann erklimmt mich Yara als wäre ich ein Berg. Es wäre leichter gewesen, wenn ich einfach aufgestanden und ihr eine der Früchte gepflückt hätte, doch schätzt Yara die Leichtigkeit nicht. Sie sucht das Abenteuer und klettert in den Baum. Konzentriert fokussiert sie eine reife, schattige Papaya. Die Frucht hängt an einem langen Ast. Ohne Hinzusehen weiß ich, dass es sich sicherlich um die Papaya handelt, die am Schwersten zu erreichen ist. Sie streckt sich und schiebt sie sich schließlich unter den Arm, um wieder an mir herunterklettern zu können. Ich nehme ihr die Frucht ab. Mit festem Boden unter den Füßen zieht Yara den Hocker, auf den ich meine Beine gelegt hatte, heran. Sie setzt sich im Schneidersitz darauf und schaut mich erwartungsvoll an. Ich erinnere mich an das Messer in meinem Schoß und schneide ihr die gelbe Papaya in Halbmondstreifen. Die Kerne lässt sie achtlos auf die Wiese fallen. Gierig verschlingt sie die süße, warme Frucht. Ich schneide ihr einen Halbmond nach dem anderen. Mit dem letzten, nachlässig abgenagten Streifen beginnt sie sich über das Gesicht zu fahren, als hielte sie nicht Papaya, sondern einen Wattebausch in der Hand. Ich sehe ihr dabei zu. Sie streicht sich ihr langes Haar über die Schulter und fährt mit ernsthafter Mine die Züge ihres Gesichtes ab, um jedes Grübchen mit dem Fruchtfleisch einzuschmieren. Als sie fertig ist, sieht sie gelbstichig aus und hat Papayareste im Gesicht hängen. Sie stört sich nicht daran.
Willst du auch?
Nein, danke, sage ich.
Sie hält ihr Gesicht in die kleine Brise, die zwischen den Bäumen hängt. Ihr Rücken ist ganz gerade. Im Schneidersitz sieht sie aus wie ein meditierender Buddha. Ich muss lachen. Das macht man so, erklärt sie ungerührt.
Hmhm, mache ich und sehe der Papaya beim Trocknen zu. Das ist gut für die Haut.
Sieht man gleich, sage ich um Ernsthaftigkeit bemüht, die mir nicht gelingt.
Du hast eben keine Ahnung.
Yara lacht jetzt auch und dann greift sie mit ihrer kleinen Hand nach meiner. So verharren wir in der leichten Brise des frühen Nachmittags.
Weißt du, woran ich denke?, frage ich irgendwann.
Der gelbe Papayabuddha schüttelt den Kopf.
Ich stelle mir vor, wie wir gemeinsam am Ufer des Amazonas leben.
Hmhm, macht sie jetzt.
Ich beschreibe das Bild vor meinen Augen. Es könnte ein Haus auf Stehlen sein, das im wogenden Fluss uns mit leichten Bewegungen einwebt. Wir würden mit der Natur um uns herum eins werden. Nach dem Aufstehen liefen wir die Holzplanken hinab. Der Sonnenaufgang wärmt uns. Bei den Stromschnellen würden wir unsere Angeln auswerfen und Piranhas für das Mittagessen aus dem Amazonas fischen. Glücklich verweile ich in meiner Vorstellung.
Es gibt ne Menge Moskitos da oben, sagt sie knapp.
Ja, bestätige ich wissend, das stimmt.
Ich denke an meine Zeit auf der Chalana. Der sachte Benzingeruch des kleinen Motorbootes hüllte mich ein. Sonst gab es nur Baumwipfelgrün das meinen Blick streifte. Das Ufer wog mich in seinem verlässlichen Immergleich im Takt der seichten Wellen des breiten Flusses. Das war der erste Ort meines Lebens, an dem ich in selige Gelassenheit gefunden habe. Ich gesundete am Amazonas, er heilte mich von meinen Verletzungen und ebnete den Weg für den Pantanal. Ohne den Fluss hätte ich niemals die Kraft gefunden, das Leben erneut anzupacken. Ich wäre zur Grunde gegangen. Dahinvegetiert. Und schließlich abgenippelt.
Es gibt unendlichen Frieden dort, fasse ich meine Gedanken zusammen.
Yara gähnt.
Piranhafischen klingt für mich nicht nach Frieden, sondern nach tödlicher Langeweile, kommentiert sie mein kleines Paradies.
Hm, mache ich und beobachte die feinen Züge ihres schmalen Gesichts. Ihr Haar hängt ihr tief in den Rücken hinab. Hier und da kringelt es sich in nachlässigen Locken. Yaras Hand ist in der meinen ganz schweißig geworden. Sie entzieht sie mir und wischt sie an meinem Unterhemd ab, das sie immer noch trägt.
Ich brauche die Stadt, sagt sie und erinnert mich an mich. Das habe ich auch gedacht, nicke ich. Die Stadt, sinniere ich und erinnere in leiser Ferne einen unbestimmten Lärm.
Was hat dich davon abgebracht?, will sie wissen.
Die Stadtsucht hat mich aufgefressen. Sie hat mich krank gemacht und mich von mir selbst entfernt. Ich habe mich selbst in der Stadt verloren und bin kopflos meinem Schatten nachgejagt. Ich habe gelitten. Ich habe mich betäubt. Wie soll ich ihr das erklären?
Keine Ahnung, sage ich einfach und lasse meinen Blick durch die Weite des Landes um meinen kleinen Hof streifen.
Sie blickt mich an.
Die Stadt ist der Tod. Ich wollte das Leben, erkläre ich ausweichend.
Sie nickt. Das Leben ist ein Biest. Egal wo, sagt sie und klingt dabei als hätte sie schon ein paar Lebenskleider getragen. In meinen Gedanken sehe ich sie vor einer großen Holztruhe stehen. Sie zieht lange, altmodische Kleider hervor, die sie kritisch mustert und dann kurzerhand auf links dreht, um die abgestoßenen Nähte und Borten hinter seidenem Innenfutter zu verstecken. So getragen wirken die alten Mottenfetzen wie neue Ballkleider. Das ist Yara. Sie wirkt hell und rein und ist doch pechschwarz.
Ja, bestätige ich, ohne für meine Zustimmung das rechte Gefühl parat zu haben, weil meine Leben gerade vor Glück trieft. Für mich ist es genau richtig. Egal, was Yara sagt oder denkt. Ich gehe jetzt duschen, lässt sie verlauten und entwirrt ihre Beine aus dem Schneidersitz.
Nimmst du mich mit?
Nein, befindet sie streng.
Ich sehe sie an. Sie stützt sich auf die Lehnen meines Korbsessels. Ihre Haare fallen mir ins Gesicht. Ich streiche sie ihr auf den Rücken. Das schwere Haar in ihrem Nacken ist warm von der Sonne. In Yaras Augen sehe ich eine Unternehmungslust blitzen.
Ich will, dass du mir deine Goldgräberstadt zeigst.
Poconé?, frage ich.
Ja! Sie zieht meine Hände aus ihren Haaren, wirft mir einen flüchtigen Kuss zu und läuft ins Haus. Ich sehe ihr nach. In ihren federnden Schritten liegt diese unbedingte Lust auf das Leben, die mich schon in Berlin in den Bann geschlagen hat. Yara will das volle Leben. Alles davon. Mit allen Abgründen. Kompromisslose Gier. Sie fühlt sich lebendig in allem Neuen und in allem Risiko. Sie geht durch das Leben ohne sich umzudrehen. Sie kennt keine Scheu. Keine Zurückhaltung. Keine Sorge.
Ich lehne mich in meinem Korbsessel zurück. Die Sonne ist glühend heiß. Hoffentlich lässt sich Yara Zeit im Bad. Ich lege meine Beine wieder auf den Hocker, den sie nicht mehr besetzt und spüre ein Bedauern in mir erwachen. Ein Bedauern um die Makellosigkeit, die mein Hof bisher für mich hatte. Er war meine Höhle und mein Refugium. In Yaras Augen findet das alles nicht statt. Sie meidet alle Sicherheit, in der für sie nichts weiter als Langeweile liegt. Sie bewegt sich durch den Schmerz, den das Leben für sie bereit hält, wie eine stolze Regentin. Sie nimmt ihn an ohne zu fragen. Sie hadert nicht, sie zweifelt nicht und sie bereut wahrscheinlich niemals. Unerbittliche Erneuerung liegt in allen ihren Bewegungen. Wie ein Chamäleon gleitet sie von einer Haut in die nächste und von einem Leben in das andere. Ich bin auch einmal so gewesen. Ich habe mir das echte Leben so sehr gewünscht. Ich wollte mich spüren und nicht einfach so existieren. Doch dieses Leben ist hart. Es fordert viel. Yara hat vor diesen Lebensklippen keine Furcht. Sie nimmt das Leben wie es kommt. Sie braucht die Veränderung, wie die Luft zum Atmen. Das Prinzip Yara kennt keinen Alltag. Keiner kann an ihrer Seite existieren, weil Yara keine Seiten hat. Sie ist luftdurchlässig, wie Gaze. Sie erneuert sich beständig. Ich blicke in den ausgewaschenen Himmel und weiß, dass ich nicht so bin. Ich wünschte mir mein Leben in Auslassungen leben zu können. Ich brauche nur noch Ruhe und die Erfüllung meines Begehrens nach ihr. Der Rest meines Daseins kann meinetwegen elliptisch verlaufen. Ich schätze den Schmerz nicht mehr, den Yara immer noch für ein besonderes Lebenselixier hält. Das ist eine Schimäre, doch ich weiß, dass auch ich noch vor wenigen Monaten nicht geglaubt hätte, dass der Sinn des Lebens nicht in der Selbstverstümmelung liegt. Während ich mittlerweile vor dem Abgrund flüchte, sehnt sie ihn sich herbei.
Mit einem fertigen Lächeln tritt sie aus meinem Haus. Ihre Haare sind nass. Sie wringt sie aus, als wären sie ein Stück Stoff. Dann bindet sie sie am Hinterkopf zu einem Knoten zusammen. Ihr Kleid klebt an ihrem feuchten Körper. Wahrscheinlich stinken meine Handtücher zu sehr, um sie zu benutzen. Sie tritt zu mir und reicht mir ihre Hand. Ich erinnere mich daran, wie sie mich in unserer ersten Nacht aus dem bonbonfarbenen Sessel des Berliner Hotelzimmers mit derselben Geste auf die Reise geschickt hat. Eine Reise, die vor den Toren einer namenlosen Goldgräberstadt im brasilianischen Hinterland endete. Yara sieht mich an. Ihr Blick ruht auf mir und erzählt von Gelassenheit, als wolle sie mir Mut machen. Und dann grinse ich sie an, weil ich weiß, dass ich auch dieses Mal die Reise antreten werde. Egal, wo sie mich diesmal hinführen wird. Sicher ist, dass wir niemals bleiben werden. Wohin auch immer uns das Schicksal verschlagen wird.
(…)
*
Was ist das?, frage ich blöd und weiß es doch sofort.
Mein Telefon klingelt, sagt Yara.
Du hast ein Mobiltelefon?
Klaro, sie sieht mich an und zieht eine Augenbrauche hoch. Ich nicke und bin trotzdem irritiert. Mir ist entfallen, wann ich mein Smartphone das letzte Mal gesehen habe. Es wird irgendwo in Fortaleza geblieben sein. Ich habe seit Monaten nicht daran gedacht zu telefonieren. Es gibt ja auch niemanden, den ich hätte anrufen wollen. Irgendwann endet das Klingeln, das aus der Hütte schallt. Mit dem Pinsel in der Hand stehe ich im Garten und weiß nicht weiter. Ich habe Yara erzählt, dass wir das Haus anstreichen müssen, bevor ich den Hof verkaufen kann. Dabei werde ich mein Refugium wohl auch mit frischem Farbanstrich nicht verkauft bekommen. Das Grundstück stand jahrelang leer und verfiel, bevor ich kam und es rettete oder mich hier retten ließ. Diese gottverlassene Gegend ist kein Ort, der viel Zuzug zu verzeichnen hat. Die Menschen gehen eher, als das sie kommen. Irgendwie wollte ich einfach Zeit gewinnen. Ich mag mein Leben im Pantanal. Ich brauche mein Leben hier, weil ich in der Stadt nicht mehr überleben kann. Ich kann nicht ohne die Weite der Steppe vor meinen Augen sein, weil unweigerlich Großstadtdschungel an ihre Stelle träte und sich darin Gefahren und Verführungen tummeln, denen ich nicht gewachsen bin. Sie würden mich kaputt machen, zermalmen, zerquetschen wie eine faule Tomate. Es ist September und damit viel zu heiß um körperlicher Arbeit nachzugehen. Manchmal steigt das Thermometer bis aufsechsunddreißig Grad. Gleißend beißt uns der rote Feuerball ins Gesicht. Ich schiebe mir meinen Hut aus dem Gesicht und wische mir den Schweiß von der Stirn. Yara pinselt mit leichter Geste mein Haus gelb an. Mir war die Farbe egal, weil es sowieso nicht um die Farbe geht. Mein Haus wird gelb und ich weiß nicht weiter. Ich will Yara fragen, wer sie anruft und warum sie ein Mobiltelefon hier in mein Haus gebracht hat. Ich will wissen, welches Leben dahintersteckt und warum sie mir nichts davon erzählt. Seit sieben Monaten ist sie hier bei mir und seitdem hat es nicht ein einziges Mal geklingelt. Warum jetzt? Außenwelt dringt auf mich ein ohne dass ich darauf vorbereitet war. Das Gefühl, das mich überwältig, erinnert mich an Eifersucht. Nur ist es heftiger und schneidender. Vielleicht weil es so überraschend kommt? Es gibt in ihrem Leben mehr Menschen als mich. Das weiß ich. Sie hat mir erzählt, dass sie in Kontakt mit ihrer Schwester Lily steht. Warum auch nicht? Vielleicht ist nur sie es, die da gerade angerufen hat? Manchmal kann ich mich selbst nicht ertragen. Eine heiße Welle von Scham überkommt mich. Es ist schon wieder passiert. Aus mir ist ein Mensch geworden, den ich selbst nicht ertragen kann. Ich muss mich hinsetzen. Yara blickt mir hinterher, wie ich mich in den Schatten meines Papayabaums setze. Was ist?, fragt sie.
Mir ist heiß, sage ich vage und greife nach einer Karaffe Wasser.
Sie wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Ich stelle das Wasser zurück und zweifle an mir. Ich kann nicht mit und auch nicht ohne sie leben. Was ist da die Alternative?
Selbstbetrug ist die Alternative. Klar, darin bin ich gut. In dieser Disziplin macht mir niemand etwas vor. Ich komme ständig an diesen Punkt in meinem Leben. Als liefen alle Wege, die ich einschlage, immer auf das gleiche Ziel hinaus. Und dennoch, ich kann es irgendwie noch nicht fassen. Ich bin nicht bereit meinen Hof für sie aufzugeben, denn ich verlöre mit ihm alles, was mir lieb und teuer ist. Irgendwie hänge ich der Hoffnung nach, sie doch noch von diesem Leben hier draußen überzeugen zu können. Um der Langeweile zu entkommen, halte ich sie mit Erkundungsritten in Bewegung. Manchmal wünscht sie sich einen Affen als Haustier, aber das konnte ich bisher verhindern, obwohl ich ihr sonst jeden Wunsch von den Augen ablese. Ich will nicht gehen, muss ich mir selbst zugestehen und dennoch sehe ich irgendwie einem Ende entgegen. Vor allem dem Ende meiner Nerven. Jetzt greife ich doch nach der Karaffe mit dem warmen Wasser, lasse es mir die Kehle hinunter rinnen und habe plötzlich das dringende Gefühl mich betrinken zu wollen. Dabei habe ich seit Monaten nicht mehr das Bedürfnis verspürt, eine Bar zu betreten. Ich seufze. Selbstbetrug und Alkohol sind wie zwei Seiten derselben Medaille. Das eine geht unweigerlich mit dem anderen zusammen. Ohne weiter darüber nachzudenken, lasse ich meinen gelben Pinsel auf die Wiese fallen und überlasse das weitere Streichen Yara. In Poconé trete ich an die erste Bar am Stadtrand. Es ist noch heller Tag. Die Hitze hat alle Bewohner der kleinen Goldgräberstadt in die Innenräume ihrer bunten, kleinen Häuser getrieben. Dort hocken sie in klimatisierten Zimmern oder unter klappernden Deckenventilatoren und hoffen auf Besserung. An der Bar stehen Menschen, die ich nicht kenne. Keiner dieser Leute ist mir je begegnet, obwohl Poconé eine winzige Stadt ist. Ich sehe sonnengegerbte und tief zerfurchte Gesichter. Bewegungslos verharren sie am Tresen hinter den Rauchschwaden ihrer Zigaretten, die in den wolkenlosen Himmel ziehen. Ein leises Murmeln fast nur lauteres Schweigen liegt in der stickigen Luft. Direkt neben der Bar bietet eine junge Frau ihre Friseurdienste an. Ich habe sie schon einmal gesehen. Sie zieht von Hof zu Hof mit ihrem Plastikschemel. Ihre Knöchel sind geschwollen. Das wird nicht ihre letzte Schwangerschaft sein. Manchmal sehe ich sie mit ihren Kindern, die ihr wie junge Labradore folgen, in der Stadt ihre Einkäufe erledigen. Ihre Körpermitte ist bereits so angeschwollen, sie wird wohl bald niederkommen. Als Ehemaliger in dem Geschäft, erkenne ich sie. Sie bietet sich mir mit einem Blick an, der so bleiläufig wie eindeutig ist. Die Schwangerschaft setzt ihrer Arbeit kein natürliches Ende. Ein Kunde sitzt auf ihrem Plastikhocker, hält ein kühles Bier in der Hand und lässt sich die Haare stutzen. Die vertraulichen Gesten, die sie austauschen, lassen darauf schließen, dass das nicht alles ist, wofür er sie zu bezahlen gedenkt. Ich wende mich ab und versuche zwischen den unbekannten Gesichtern an der Bar auf meinen Platz zu finden. Ein leichtes Bedauern durchzieht meine Glieder. Ich komme mir vor, wie ein geprügelter Straßenköter. Ich gehöre nirgendwo hin. Also lasse ich die Schultern hängen und gehe wieder. Ich drehe mich um meine eigene Achse und laufe zurück zu meinem Refugium, dass nicht mehr mein Refugium ist, sondern der Mittelpunkt meiner Angst.
Schon von der Ferne rieche ich den Acrylgeruch der Farbe. Er liegt unerträglich schwer in der Luft. Mein Kopf dröhnt. Auf meiner Haut perlt eine Reizbarkeit, die mich zu vergiften sucht. Ich trete durch die Vordertür ins Haus und gehe ins Bad. Dort hoffe ich, die Probleme abduschen zu können. Unter dem kalten Wasser verteile ich die Seife auf meinem Körper. Ich halte mein Gesicht in den kräftigen Wasserstrahl und versuche nicht zu denken, denn in jedem Gedanken liegt die alte Verzweiflung, die ich bereits kenne. Ich hatte geglaubt, sie hinter mir gelassen zu haben. Warum musste mir das passieren? Warum musste mir Yara meine Zufriedenheit, meine Ruhe, mein Paradies nehmen? Was bezweckt sie damit? Mit einem schnellen Griff stelle ich das Wasser ab, wickle ein Handtuch um meine Hüften und trete aus dem Haus. Sie pinselt immer noch und ist schon ein gutes Stück vorangekommen.
Also wer war’s?, frage ich unumwunden.
Was?, fragt sie zurück und sieht von ihrer Malerarbeit auf.
Ich stehe nackt nur mit dem Handtuch um die Hüften in meinem Garten.
Hast du geduscht? Wir sind doch noch gar nicht fertig.
Sie deutet auf das halb gestrichene Haus. Ich gehe nicht darauf ein.
Wer hat dich angerufen?
Ach so, sie lacht, keine Ahnung.
Du musst doch wissen, wer dich angerufen hat?!
Nein, ich hab nicht nachgesehen.
Ja, aber du weißt doch, wer dich anruft.
Sie sieht mich an und zieht wieder mit dieser Geste eine Augenbraue hoch.
Luca, du willst mir nicht erzählen, dass du bei jedem Klingeln weißt, wer dich anruft?
Ich sage nichts, weil sie Recht hat.
Sieh nach!, fordere ich.
Keine Lust, sagt sie und streicht weiter.
Yara, bitte, lenke ich ein.
Es interessiert mich aber nicht, versucht sie das Thema abzuschließen. Was bringt es dir, wenn ich dir irgendeinen Namen sage, den du nicht kennst?
Mir ist der Name egal, sage ich. Ich will wissen, was der Typ will.
Welcher Typ?, fragt Yara und tunkt ihren Pinsel in den Farbeimer.
Der dich angerufen hat.
Woher weißt du, dass es keine Freundin ist? Oder Lily?
Ich glaube ihr nicht. Angefressen starre ich sie an. Ich war bestimmt zwei Stunden nicht da. Sie hatte genug Zeit, um ins Haus zu gehen und nachzusehen.
Wo ist es?, frage ich.
Drinnen, sagt sie mit frischer Farbe auf dem Pinsel.
Wo genau? Ich hole es.
Lass mich in Frieden, du Nervenbündel. Ich frage dich auch nicht, wo dein Telefon liegt.
Ich habe keines, sage ich und will mich immer noch durchsetzen.
Echt?, fragt sie ehrlich erstaunt.
Echt!, bestätige ich und lege einen gewissen Stolz in dieses Wort, als wäre der telefonlose Mensch ein besserer Mensch. Also?, insistiere ich weiter.
Was ist jetzt plötzlich so besonders an meinem Mobiltelefon? Das hat dich doch sonst nicht interessiert.
Es klingelt nach sieben Monaten das erste Mal und du tust so, als ob nichts sei, entrüste ich mich.
Yara lacht.
Es hat die ganze Zeit geklingelt.
Aha, mache ich.
Es war nur aus oder auf leise gestellt.
Mir wird das Gespräch zu blöd. Irgendwie hinke ich der Realität hinterher. Wie immer. Yara hat hier in meinem Garten unter dem Papayabaum gesessen, mein Refugium zu ihrem gemacht und damit die Abgeschiedenheit langsam aus allen Dingen herausgelöst. Alles Gute kommt mir plötzlich schlecht vor. Die Welt ist verdorben. Mein Leben steckt in einem Säurebad wie ein Foto das in Entwicklungslauge liegt. Mir werden die Dinge langsam klarer, ohne dass ich darum gebeten habe. Ich erkenne das Bild sich aus dem Silbersalz herauskristallisieren. Yara ist darauf zu sehen wie sie in der Stadt lebt. Sie lacht.
Glücklich. Ohne mich.
(…)
*
Schöner ist die Welt, wenn sie in unklaren Konturen der Nacht stattfindet. Trost liegt in allem Verschwommenen. Ich halte mich am Tresen fest und lasse einen kühlen Drink meine trockene Kehle hinunter rinnen. Ich erinnere mich nicht mehr daran, was ich trinke und kümmere mich auch nicht weiter darum. Gin? Wodka? Meine Zunge ist längst betäubt. Durch den Strohhalm sauge ich die goldgelbe Flüssigkeit in mich hinein und winke dem Barkeeper mit einem Blinzeln des linken Auges, um dasselbe noch einmal zu bestellen. Mit dem neuen Glas vor mir, wage ich einen kurzen Blick in mich hinein und stelle fest, dass mein Denkvermögen noch nicht ertränkt ist. Da ist immer noch Yara und das muss unbedingt aufhören. Es geht mir nicht gut mit ihr in meinem Kopf.
Ich weiß noch, wie sie mich auslachte, als ich ihr von meiner Sehnsucht nach ihr zu erzählen suchte. Es war eine dieser Nächte, in denen wir wach lagen und unsere Stimmen durch meine kleine Hütte spazieren führten. Wir schauten an die dunkle Decke und erzählten uns von uns. Yara berichtete von dem Leben in Rio und ich von mir und ihr. Ich versuchte ihr von meinem Schmerz zu erzählen, doch sie lachte nur, nahm meinen Kopf in die Hände und schalt mich.
Du liebst mich immer noch, Luca!
Ja, sagte ich und kam mir unendlich dumm vor.
Damit musst du wirklich, unbedingt aufhören, empfahl sie mir und ich Idiot habe mich nicht daran gehalten.
Jetzt ist es zu spät. Die Zügel sind mir mal wieder entglitten. Es ist zu spät, um noch Entscheidungen zu treffen, weil das Leben mich überrumpelt hat. Ständig passiert mir das. Ich laufe mir selbst hinterher und gerate jedes Mal außer Atem. Warum bin ich nur so ein Trottel? Dabei weiß ich es doch längst besser. Ich habe Angst vor der Wiederholung. Ich will Yara nicht wieder gehen lassen. Ich will sie nicht verlieren. Es ist das letzte Mal nicht gut gegangen und das wird es diesmal nicht. Doch will ich sie halten? In ihren Verletzungen, die sie mir zufügt, liegt Variation wenn sie da ist. Das ist das süße Glück der Ahnungslosigkeit. Nie weiß ich, was kommt. Ständig hoffe ich, dass es diesmal klappt. Die Qualen, die sie sich für mich ausdenkt, kündigt sie nicht an. Sie folgt ihren spontanen Einfällen, denen ich nichts entgegenzusetzen habe. Ich liebe sie einfach zu sehr. Das macht mich blind. Ich kann sie nicht wieder gehen lassen. Die Sehnsucht hat mich fast das Leben gekostet. Ich will dieses Dasein nicht noch einmal. Ich verweigere die Annahme. Was auch immer sie von mir verlangt, ich werde es tun. Ich werde alles geben, und wenn es mein Leben ist, um den Absturz zu verhindern. Das ertrage ich nicht noch einmal. Ich habe in all seinen Ecken nachgesehen. Alle Tunnel und Gräben sind durchforstet. Das Grauen der Sehnsucht hält nichts mehr für mich bereit.
An der Bar, die ich zu der meinen erkoren habe, arbeitet ein schwarzer Lausbub, der sich Wellington nennt. Er ist mir gleich sympathisch gewesen, weshalb ich ihn seither jede Nacht besuche. Er geizt nicht mit dem Alkohol, doch vor dem Morgengrauen macht er dicht. Da ist er nicht zu erweichen, auch wenn ich ihn meinen neuen, besten Freund nenne. Manchmal gibt er mir eine halb geleerte Schnapsflasche mit auf den Weg. Ich habe es schließlich weit. So auch heute Nacht. Er ist ein guter Mensch. Er hat ein Herz für mich. Also wiege ich meine Flasche im Arm und wanke nach Hause. Hinter den Palmen zeichnet sich bereits das unheilvolle Glühen des Sonnenaufgangs ab. Ich schaffe es nie vor dem Tagesanbruch nach Hause zu kommen, dafür sind die Nächte in Brasilien einfach zu kurz. Ständig überrascht mich der blaue Schleier des zarten Morgenlichts oder das Rosarot des anbrechenden Tages.
Ich halte an der letzten Wegkreuzung vor meinem Haus. Es ist nicht mehr weit von hier aus. Vielleicht noch zwanzig Minuten. Auf dem großen, flachen Stein am Wegesrand stelle ein Bein ab und strauchle fast, weshalb ich doch beide Beine am Boden belasse. Dann öffne ich die Schnapsflasche, um mir einen letzten Schluck zu genehmigen, doch sie ist leer. Hab ich sie schon ausgetrunken? Ich schüttle sie vor meinen Augen, als könnte ich sie so wieder auffüllen. Dabei gleitet sie mir aus der Hand und landet im verdorrten Pflanzendickicht der sonnengeplagten Steppe.
Scheiße, fluche ich und stelle verwundert fest, dass sich dort mehrere Flaschen befinden.
Die meisten sind Bierflaschen. Sie liegen alle verstreut hinter dem Stein und kommen mir bekannt vor. Ob ich hier schon einmal gehalten habe?, frage ich mich kurz und blicke mich um. Ich will meinen Weg fortsetzen, es hält mich ja nichts mehr hier, doch dann steht plötzlich ein schwarzer Mann vor mir. Wo kommt der so plötzlich her? Er steht ganz nah vor mir. Ich trete zurück, greife in meine Hosentasche und ziehe ein verbeultes Päckchen Dunhill hervor.
Feuer?, frage ich den Kerl.
Als wüsste er, dass ich diese Frage stellen würde, hebt er die Hand und entzündet die Flamme für mich. Es geht kein Wind. Sie flackert nicht mal. Ich neige mich zu ihm und versuche die Zigarette in meinem Mund über dem Feuer ruhig zu halten, doch von irgendwoher überkommt mich ein Schwanken als stünde ich an Deck eines Segelschiffs, das in einen Orkan geraten ist. Ich nehme die Zigarette aus dem Mund, sehe den Mann an und versuche es wieder. Jetzt brennt die Zigarette. Ich nehme einen tiefen Zug und werde mir der Tatsache bewusst, dass der Mann kein Feuerzeug in der Hand hält.
Wie hast du das gemacht?, frage ich und glaube an einen Trick. Der Mann grinst mich an. Er ist jung und sieht angriffslustig aus. Was will er von mir? Auf seinen Augen liegt ein Brennen. Er trägt einen langen, schwarzen Ledermantel obwohl es selbst in den frühsten Morgenstunden stickig und heiß ist. Seine schwarzen Haare sind zu Zöpfen geknotet, die er in einen Pferdeschwanz gebunden hat. Er funkelt mich an als versuche er mich mit seinem Blick zu durchbohren. Ich lege meinen Kopf schief und versuche die Situation zu begreifen. Was will der Typ?
Gib mir etwas zu trinken und ich erfülle dir einen Wunsch, erklärt er.
Seine Stimme klingt dunkel und rau als würde sie nur selten benutzt.
Wer bist du?, frage ich.
Ein Freund, sagt er und lächelt mich an.
Ich sehe zu meiner Schnapsflasche im Dickicht.
Für einen Freund einen Schluck, lalle ich herzensgut und lasse mich auf den Stein fallen.
Die erste Flasche, die ich erwische ist eine leere Bierflasche. Ich werfe sie zurück und suche weiter. Ich weiß nicht warum ich das tue. Mir liegt die Gewissheit in den Knochen, dass es da noch etwas zu trinken geben muss. Einen guten Schluck für den Fremden und einen für mich. Ich grinse zuversichtlich und bekomme eine Flasche zu fassen, die ich siegessicher emporreiße. Meine Lippen verzerren zu einem Grinsen. Ich schüttle meinen Fund und das verheißungsvolle Plätschern einer leicht gefüllten Flasche erklingt. Die Innenseite ist beschlagen. Außen kleben Grashalme. Ich habe keinen Moment gezweifelt. Der Alkohol war mir immer ein guter Freund. Er hat mich nie im Stich gelassen.
Hier, sage ich und sehe zu dem Mann am Wegesrand, der mir meine milde Gabe aus der Hand nimmt.
Seine Bewegungen sind schnell. Ich habe Schwierigkeiten ihnen zu folgen. Schneller als gedacht, fühle ich das Glas der Schnapsflasche wieder zwischen meinen Händen und trinke selbst einen Schluck. Mir rinnt die warme Flüssigkeit die trockene Kehle hinunter. Gestärkt stehe ich vom Stein auf und halte dem Fremden die Flasche hin. Er trinkt erneut. Dann grinst er mich an. In seine Augen fällt wieder dieser rote Glanz, als stünden sie unter Strom. Er gibt mir die Flasche zurück.
Gutes Gelingen, sagt er und dann ist er weg.
Ich drehe mich um meine eigene Achse.
Aber ich habe mir doch noch nichts gewünscht?, rufe ich in das Nichts um mich herum.
Der Mann ist weg. Ich halte die Schnapsflasche in meiner Hand und drehe mich noch mal um. Es ist niemand da. Ich strauchle kurz, blicke auf die Flasche und verschließe sie mit dem Deckel, den ich schon den ganzen Weg über in meiner Faust halte. Dann lasse ich sie neben den Stein fallen und setze mich in Bewegung. Ich muss endlich nach Hause und pennen. Mein gelbes Haus ist nicht abgeschlossen, weil Yara als Wertgegenstand nicht zählt und mehr Dinge sind mir in den letzten Monaten nicht zugelaufen. Ich stoße hier und da gegen eine Wand und dann erwische ich den Holzpfeiler in der Mitte der Hütte, halte mich daran fest und versuche mir die Klamotten vom Körper zu reißen. Es ist heiß im Haus und ich atme schwer. Wahrscheinlich habe ich wieder zu viele Zigaretten geraucht.
Hallo, höre ich.
Yara sitzt auf dem Bett und sieht mich an. Sie ist offensichtlich hellwach.
Hallo, erwidere ich und versuche die Spuke im Mund zu behalten.
Warum sitzt sie da um diese Zeit komplett bekleidet, als wolle sie einen Ausflug machen?
Luca?
Hm, mache ich und versuche die Schuhe und Socken auf einmal loszuwerden, weil ich sonst die Hose nicht von den Beinen gezogen bekomme.
Ich gehe, sagt sie.
Hm, mache ich wieder, bis später.
Luca?
Was?, frage ich gereizt.
Sie zeigt auf ihren Rucksack, der im Korbsessel liegt.
Ich gehe nicht für den Moment, sondern ganz.
Nein, sage ich einfach.
Doch, erwidert sie.
Nein, wiederhole ich, du gehst nicht.
Du willst, dass ich gehe. Vertrau mir.
Nein.
Du trinkst, sagt sie und glaubt damit alles gesagt zu haben. Und?, frage ich und tue so, als gäbe es da überhaupt keinen Zusammenhang.
Du warst in Ordnung, als ich hier angekommen bin und jetzt säufst du wie ein Loch, also gehe ich.
Nein, sage ich wieder, es ist nur eine Phase.
Aha, sagt sie und glaubt mir nicht.
Das höre ich ganz deutlich. Ich kneife die Augen zusammen, um sie klarer erkennen zu können. Ich kann dich nicht ertragen, wie du bist, wenn du trinkst.
Sie sieht mich an. Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll.
Die Zeit der Argumente ist vorbei. Ich ziehe mir die Jeans wieder hoch, lasse Reißverschluss und Knopf offen, stoße mich von dem Holzpfosten in der Mitte des Raumes ab und gehe zwei wankende Schritte auf das Bett zu, auf dem sie sitzt.
Es liegt an dir, erkläre ich.
Ach so, sagt sie beiläufig, als erkläre das alles, aber ich bemerke die Ironie trotz des Alkohols. Ich will dich nicht verlieren, sage ich.
Und deshalb trinkst du?, fragt sie zweifelnd.
Ich antworte darauf nicht. Mir scheint das alles so logisch. Warum begreift sie die Zusammenhänge nicht?
Das ist so ziemlich das Sinnloseste, das ich je gehört habe, befindet sie und steht auf.
Geh nicht, bitte ich.
Yara dreht sich um, sieht mich an und schweigt. Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll, weil sie mir ständig alle Worte im Mund verdreht. Sie ist doch daran Schuld, dass ich trinke. Sie sieht mich schweigen und greift nach ihrem Rucksack. Ich sehe sie an und hoffe auf irgendeine Eingebung. Ruf mich an, wenn du wieder ok bist, sagt sie und tritt auf mich zu.
Wahrscheinlich um mich zu umarmen. Vielleicht bekomme ich sogar einen letzten Kuss? Auf die Wange? Ich lasse es nicht soweit kommen.
Warte, sage ich und stehe auf.
Das Zimmer dreht sich, als hätte es jemand auf eine Spieluhr gesetzt und ausgerechnet jetzt aufgezogen.
Ich habe etwas für dich, sage ich und verschwinde im Flur. Ok.., höre ich hinter mir und weiß nicht, was ich jetzt machen soll.
Warte draußen, rufe ich und höre, wie sie langsam zur Tür geht.
Ich renne ins Badezimmer und halte meinen Kopf unter kaltes Wasser. Ich brauche eine Idee und zwar schnellstens. Meine Füße tragen mich durch das Haus. Ich reiße alle Schränke auf und suche nach irgendetwas, das sie umstimmt und sie hält. Etwas, das mein Leben rettet. In der Küche bin ich bei den Unterschränken angekommen. Ich reiße die alten Farbutensilien heraus, Schwämme, Lappen, Einmachgläser und was weiß ich und dann fällt mir das Gewehr in die Hände. Ich blicke es an. Luca?, höre ich sie von draußen rufen.
Ja, rufe ich zurück und stehe auf.
Im Türrahmen bleibe ich stehen und blicke in die breiten Streifen der mittlerweile gleißende Sonne, die in meinen Garten fallen. Der Feuerball ist hinter den Palmenwipfeln hervorgekommen und taucht die Welt in ihren goldenen Glanz.
Yara steht mit dem Rucksack in der Hand beim Papayabaum. Sie dreht sich zum mir und schirmt die Augen mit der Hand ab, weil die Morgensonne über dem Haus steht und ihr ins Gesicht scheint. Hinter meinem Rücken halte ich das Gewehr. Ich weiß, das es geladen ist und ich weiß, das es funktioniert, weil ich damit Hokkushühner jagen wollte, es dann aber nie getan habe. Wie ich so vieles nicht getan habe, weil Yara plötzlich da war. Ich lege meinen Zeigefinger auf den Abzug, bleibe im Schatten des Türrahmens stehen, lasse das Gewehr vor meiner Brust auf meinen linken Arm gleiten und ziele auf Yaras Herz. Mein Körper liegt in völliger Ruhe. Ich atme nicht, sondern sehe sie an.
(…)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.