Leseprobe: Gunnar Kaiser – „Unter der Haut“

Buch Eins

New York, 1969

1

Als ich jung war, suchte ich nach Mädchen. Meine Suche begann an meinem zwanzigsten Geburtstag und endete in der letzten glühenden Januarnacht unter dem Sternenhimmel eines letzten verrückten Sommers.
Damals und dort wo ich herkomme, nannte man solche Jungen mondsüchtig, und süchtig war ich. Aber mein Fall war wohl doch noch ein bisschen spezieller. Ich war im Frühling von Zuhause ausgezogen, war nach Manhattan gegangen und wollte studieren. Das Wenige, was ich brauchte, verdiente ich mir mit dem Ausfahren von Fleisch an die jüdischen Metzger in Williamsburg und Staten Island. Zumindest erzählte ich das meinen Eltern, wenn sie fragten, womit ich meine Zeit verbrachte, und es war nicht gelogen. Die Wahrheit war es aber auch nicht. Eigentlich trieb ich mich mit der Kamera, die mir mein Bruder überlassen hatte, tagsüber in den Straßen von Brooklyn und nachts in den Clubs und Bars südlich der Houston Street herum, knipste hier die Transvestiten vor den Kellereingängen auf der Greenwich Lane, da die Hände eines rauchenden Partypärchens, und suchte nach Mädchen.
Mein Job zwang mich früh aus dem Bett, ich fuhr zwei Stunden im Morgengrauen die Läden ab und kehrte mit einem leeren Lieferwagen und ein paar Scheinen in der Tasche vor neun zum Großhändler zurück. Danach gehörte der Tag mir und meiner Rolleiflex. Wir schrieben das Jahr 1969, der Mond war im siebten Haus, ich war zwanzig und wir bekamen beide eindeutig zu wenig Schlaf.
Sie war das definitive Mädchen, wie man so sagt. Keiner sagt das so, auch damals nicht, aber für mich war sie das an dem Tag, als ich sie sah: endgültig und absolut. Sie kreuzte meinen Weg eines Morgens im Frühsommer auf der Flatbush Avenue hinterm Prospect Park. Aus der Finsternis eines Subway-Eingangs war sie plötzlich emporgestiegen und ging nun mit ihren rotblonden Locken vor mir her, trug Lederjacke und einen veilchenblauen Rock und sah aus wie eine Göttin aus dem Modekatalog. Ich schätzte sie etwa drei Jahre älter, aber ich hatte mir geschworen, dass mich das nicht kümmern würde. Sie war auch kein Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau, erwachsener zumindest als ich es war, studierte vielleicht im letzten Semester Kunstgeschichte, hatte einen Bildband über Caravaggio in ihrem Rucksack und jobbte irgendwo in einem Café. Aber sie war es, definitiv, ich wusste es und ich folgte ihr. Dieser Tag würde nicht vergehen, solange ich nicht entweder ein Foto oder einen Kuss von ihr hatte. Oder beides.
Ihr Weg führte uns durch halb Brooklyn, durch den kühlen und schattigen Maimorgen, vorbei an den Hare-Krishna-Jüngern und den Obdachlosen vom Atlantic Terminal, bis sie schließlich, als wartete sie auf etwas oder jemanden, vor einem Diner stehen blieb, sich die Haare im Spiegel des Schaufensters richtete und eintrat.
Ich kannte den Laden. Hier hatte ich freitags meine versiegelte Lohntüte hingetragen, wenn es brechend voll war, weil die Dockarbeiter den gleichen Gedanken hatten und die gefüllten Tacos für einen Dollar zu haben waren. Aber zu dieser frühen Stunde war nicht viel los. Ein alter Mann saß mit seiner Zeitung in der Ecke und trank Tee, ein schwarzes Pärchen in der Mitte übertönte mit seiner Unterhaltung und dem Klappern der Billardkugeln die Musik und am Tresen blickte Pedro, ein junger Latino mit zierlichem Schnurrbart, müde und gelangweilt mein definitives Mädchen an. Die hatte sich an einen kleinen Tisch am Fenster gesetzt, ein Buch aus dem Rucksack genommen und im Schein des Morgenlichts, das auf das Kupfer ihres Haar und auf das Elfenbein ihres Gesichts fiel, zu lesen begonnen. Einen Moment lang stand ich mitten im Raum, fühlte mich fehl am Platz, weil ich hier doch eigentlich nichts zu suchen hatte, nichts Ehrbares jedenfalls wie die anderen, sondern ein Gespräch mit einem hübschen fremden Mädchen, einen Kuss und eine Nacht mit ihr. Aber ich hatte mir an meinem Geburtstag vorgenommen, von jetzt an kein Feigling mehr zu sein, und da anscheinend keiner Notiz von mir nahm, legte ich die Kamera auf den Tisch neben ihrem und nahm Platz. Von hier aus konnte ich sie beobachten und, wenn die Zeit reif war, ansprechen. Ich versuchte, den Titel ihres Buches zu erkennen, vielleicht hatte ich es ja gelesen oder konnte wenigstens so tun. Doch im gleichen Moment kam Pedro (ein Puertoricaner, mit dem ich hier und da ein paar Worte gewechselt hatte) auf sie zu, nahm ihre Bestellung entgegen und schlurfte wieder hinter seinen Tresen zurück ohne mich eines Blickes zu würdigen. Ich bewunderte die Gelassenheit, die er trotz der Anwesenheit dieser morgendlichen Göttin der Schönheit an den Tag legte. Während ich immer unruhiger wurde, je näher ich ihr kam und je öfter ich an eine Möglichkeit dachte, sie anzusprechen, hatte die Müdigkeit des Morgens bei ihm die Oberhand über jegliche männlichen Regungen behalten.
Die Erregung lähmte mich. Ich konnte meine Augen nicht abwenden von ihrem Gesicht, das wie aus Marmor gemeißelt schien, das Gesicht eines überirdischen Wesens, einer Sagengestalt mit zu langen Wimpern, anstarren musste ich sie, wie sie dasaß und selbstvergessen vor sich hinblickte wie eine Schauspielerin aus einem Antonioni-Streifen. Als Pedro fünf Minuten später wiederkam und ihr den Kaffee hinstellte, während sie es ihm mit einem Augenaufschlag dankte, der mich vom Stuhl gehauen hätte, hätte er mir gegolten, hatte ich noch immer nicht gewagt ein Wort an sie zu richten. Jetzt, da er vor mir stand, stotterte ich nur und bestellte schließlich krächzend das Erstbeste, was mir einfiel. Um zehn Uhr morgens hatte ich in dem Bemühen, cool und lässig zu klingen, ein Bier bestellt, das weitere fünf Minuten später vor mir stand. In der Zwischenzeit hatte ich weder den Titel ihres Buches ausmachen noch irgendwelche andere Anhaltspunkte erkennen können, die es mir erlaubt hätten, mit ihr ein zwangloses Gespräch zu beginnen, ein unverdächtiges und harmloses, eines, wie es in allen Städten dieser Erde zwischen Mann und Frau geführt wird. Eines, für das man in unseren Zeiten weder gesteinigt noch öffentlich geächtet wird. Gerade in unseren Zeiten! Schließlich leben wir doch nicht mehr im Mittelalter, oder? Na also. Warum bist du dann so ein Feigling, Jonathan, trotz deiner guten Vorsätze zum neuen Lebensjahr?
Während ich mich fragte, woher diese Angst in mir stammte, abgewiesen zu werden, bemerkte ich, dass ein Typ vor ihrem Tisch stand und sie etwas gefragt haben musste, denn sie sah zu ihm empor, lächelte und klappte das Buch vor sich zu. Der Mann, ein unscheinbarer Jude Ende Vierzig, der irgendwo in einer dunklen Ecke des Diners gesessen haben musste, wo ich ihn beim Hereinkommen übersehen hatte, näherte sich dem Mädchen nun auf wenige Schritte und sprach erneut ein paar Worte, doch so leise, dass ich nur raten konnte. Ich nahm erst an, dass sich die beiden kannten, merkte dann aber, dass er ihr so fremd war wie mir. Mich verblüffte die Schnelligkeit, in der er so etwas wie Vertrautheit zwischen ihr und sich aufgebaut hatte, denn das definitive Mädchen lächelte erneut, sagte dann etwas und ließ zu, dass er ihr gegenüber Platz nahm.
„Und wenn wir auch die ganze Welt bereisen, um das Schöne zu finden – wir finden es nur, wenn wir es in uns tragen“, sagte der Mann nun mit erhobener Stimme und in einem Singsang, dass ich annahm, er rezitiere einen Vers aus irgendeinem Gedicht.
Das Mädchen lachte laut auf, strich sich mit zwei Fingern eine Strähne aus der Stirn und dann mit dem Handrücken über das Buch vor ihr.
„Haben Sie es gelesen?“
„Gelesen?“, fragte er, nahm ihr das Buch ab, einen recht zerschlissenen Einband aus Leinen, sonnengelb mit grünem Lesebändchen, und hob es zu sich empor. „Ich habe es geschrieben.“
„Dann sind Sie also Ralph Waldo Emerson?“ Sie lachte. „Sehr erfreut, Sir. Ich dachte, Sie wären schon längst tot?“
„So könnte man sagen“, antwortete der Mann. „Aber nennen Sie mich ruhig Ralph.“
Sie schlug die Augen nieder, ihr Schmollmund schmunzelte, während Mr. Emerson das Buch betrachtete und, die Geste des Mädchens von eben wiederholend, mit den Fingerkuppen sanft über den Einband strich. Jetzt, da er es in der Hand hielt, konnte ich einen Blick auf den Titel werfen: R. W. Emerson, Natur.
„Das ist eine schöne Ausgabe, die Sie da haben. So was bekommt man heutzutage nicht an jeder Ecke.“
Etwas an seiner Stimme störte mich, doch ich konnte nicht sagen, was. Eine Pause entstand, in der sie noch immer auf den Tisch vor sich sah. Mir war nicht klar, was an dieser Ausgabe so kostbar gewesen wäre, musste aber achtgeben, nicht zu auffällig zum Nebentisch zu starren, die beiden Schwarzen am Billardtisch mussten meine Neugier bereits erkannt haben und tuschelten jetzt sicher über mich.
Schließlich sagte sie: „Ein Geschenk von meinem Vater.“
Eine weitere Pause. Der Mann zog das Buch nah an sein Gesicht heran, er schien daran zu riechen, seinen Duft einzuatmen, mit geschlossenen Augen, als wären in ihm alle Geheimnisse der Welt verborgen. Dann fuhr er mit der Innenseite der Hand behutsam über den Buchrücken, schüttelte den Kopf und sagte: „Ein großartiges Buch.“
Ich hörte das Mädchen auf dem Stuhl hin und her rücken, als wäre sie plötzlich wegen irgendetwas aufgeregt. Ich schaute nun beinahe ohne Rücksicht zu ihr hinüber und sah, wie sie den Blick von ihrem Buch in den Händen des fremden Mannes zu seinen Augen wandern ließ.„Ich trage es immer bei mir.“
Jegliches Lächeln war aus ihrem Gesicht verschwunden.
„Ich habe davon auch eine Ausgabe bei mir zuhause“, sagte der Mann beinahe flüsternd, aber gerade laut genug, dass ich ihn verstehen konnte. „Der Erstdruck der Essays, ein prunkvoller Band aus Concorde, den Emerson womöglich selbst in Händen gehalten hat. Er ist schon etwas älter, aber das sieht man ihm nicht an. Willst du ihn sehen …?“
Mit diesen Worten stand er auf, ohne ihr das Buch zurückzugeben, sie ließ es zu. Für einen Moment dachte ich, er würde vor ihr auf die Knie gehen und ihr einen Antrag stellen, doch er blieb aufrecht und blickte sie bloß an, und nach drei endlosen Sekunden erhob auch sie sich, nahm Jacke und Rucksack, folgte Mr. Emerson ohne sich noch einmal umzusehen und verließ mit ihm das Diner.
Ich wusste nicht, ob ich wütend war oder begeistert. Nicht nur, dass er mir mit einem plumpen Spruch mein definitives Mädchen weggeschnappt hatte, ohne mich eines Blickes zu würdigen; nicht nur, dass sie mit einer Bereitwilligkeit mit ihm gesprochen hatte, als wäre sie heute Morgen nur zu diesem Zweck hierher gekommen und als würde sie so etwas täglich tun; nicht nur, dass er mindestens doppelt so alt war wie seine Beute und auch so aussah, dabei weder besonders hübsch noch besonders hässlich, an den Schläfen bereits ergraut und die Stirn von drei tiefen Falten durchzogen – was mich am meisten erstaunte, war die Tatsache, dass dieser Mr. Emerson mein Mädchen nicht ein einziges Mal berührt hatte, nicht an der Schulter, nicht an der Hand, und dass sie trotzdem, wie von einem unsichtbaren Faden gezogen, mit ihm mitgegangen war.
Ich trank mein Bier in einem Zug. Das Pärchen war verstummt und stand unschlüssig am Billardtisch, der Mann mit der Zeitung döste vor sich hin, Pedro aber hatte seine Müdigkeit langsam abgelegt und sah mir nun von der Theke aus grinsend hinterher, als ich meine Kamera schnappte, das Diner verließ und den beiden folgte.

2

Das New York aus meiner Erinnerung und der junge Mann, der eine Kamera um den Hals sowie meinen Namen trug – beide existieren nicht mehr. An mir ist jetzt kein Haar, keine Hautzelle, die damals ihm gehörten, und auch die Stadt, durch deren Straßen er lief, ist so lang schon verschollen, dass nicht einmal die alten Bilder sie wieder herbeirufen können. Wenn ich heute meine Fotografien aus diesen Tagen ansehe, erinnert mich nichts daran, wie es wirklich war. Die Bürgersteige, die Autos, die lärmenden Kinder mit ihrem Springseil, der Sonnenaufgang überm Pier 1, die Straßen mit den Zigeunercafés, die Katzen, die sich beim Einbruch der Dunkelheit in den Hinterhöfen versammeln, die schlaffen Arme der älteren Männer in ihren Unterhemden, die schrägen Typen vom Bridge Park – all das, was ich einst aufgenommen habe, erscheint mir heute falsch und nachgemacht, wie gekünstelt und affektiert, als hätte die Zeit mit dem Staub auch eine Schicht Nostalgie-Kitsch über das Fotopapier gelegt. Auch von den Einzelheiten des Hauses in der Willow Street, vor dem ich an diesem Tage zum ersten Mal stand, habe ich andere in Erinnerung als die, die das Foto mir zeigt. Ich erinnere mich nicht an den kleinblättrigen Efeu, der sich an den Seiten des Portikus aus dicken Steinvasen emporrankt und bis zum zweiten Stock hinauf die gesamte Fassade verdeckt, nicht an die Fensternischen mit ihren sechsgeteilten Scheiben, so schmal und hoch wie Schießscharten, die die Front wie eine Festung wirken lassen, kaum an die drei georgianischen Giebel aus rotem Ziegel, von denen die beiden kleinen den Dachfirst bilden und deren großer, von schlichten Säulen getragen, über dem Hauseingang prangt. Ich erinnere mich nicht.
Wie kommt das? Sind die Bilder einfach schlecht gemacht, sind sie unfähig, nach so langer Zeit die Wirklichkeit getreu wiederzugeben? Wollen sie mich betrügen mit ihren seltsam unterbelichteten Blickwinkeln in Schwarz-Weiß und Sepia? Oder hat sich mit den Jahren ein Traumbild vor meine Erinnerung geschoben, das mich sogar an diesen unbestechlichen Zeugen der Vergangenheit zweifeln lässt? Bin in Wahrheit ich nostalgisch geworden?
Stattdessen erinnere ich mich an die Stille, die herrschte, wenn man vor den fünf Stufen stand, die zur Pforte hinauf und unter den Vorbau führten. Das gesamte Gebäude war nämlich, eines der wenigen in diesem Abschnitt der Willow Street, vom Bürgersteig aus einige Meter nach hinten versetzt, sodass sich zwischen den Mauern der Nebenhäuser eine Art Hof ergab, kopfsteingepflastert und schattig, den der Besucher zu überqueren hatte, bevor er die Stufen zu den Ebenholzflügeln des Eingangstors ersteigen konnte. Ich habe noch heute den Geruch in der Nase, der mich im Innern des Hofs an diesem Tag und an allen weiteren empfing, ein Duft von feuchter Kühle wie in einer urzeitlichen Grotte, ein modriger Hauch, den die alten Efeuranken und die klammen, seit je vom Sonnenlicht unberührten Backsteine ausströmten. Ich erinnere mich an das Gefühl der Kälte in meiner Hand, als ich das gusseiserne Geländer an den Seiten der Vortreppe umklammert hielt, wie um mich am Umkehren zu hindern, und die Glätte des Torknaufs, den ich zögernd drehte, bevor mir schließlich bewusst wurde, dass es von nun an keinen Weg zurück gab.
Dies war das Haus, in das der Jude aus dem Diner mein definitives Mädchen entführt hatte, da war kein Zweifel möglich. Ich war ihnen bis in diese Straße gefolgt, hatte gesehen, wie sie ins Dunkel des Hofes eingebogen waren, und von hier aus gab es keine andere Möglichkeit, als dass sie gemeinsam das Treppenhaus betreten hatten, in dem ich jetzt, nicht einmal fünf Minuten später, einsam stand.

Später, in Israel, habe ich noch oft an dieses Stadthaus da oben in Brooklyn Heights gedacht. Ich habe von ihm geträumt, von seiner Lage auf der Klippe über der New York Bay, von den bernsteinfarbenen Handläufen der Treppen, von seinen hohen Decken und dem marmornen Kamin, als wäre es ein menschliches Wesen, das mit mir noch eine Rechnung offen hatte. Ich habe mir seine Proportionen, seinen Geruch, die Kühle, mit der es mich empfing, vorgestellt und geschaudert, ohne mir darüber Rechenschaft abzulegen, ob mein Schaudern nur der Erinnerung an die Überreizung geschuldet war, die meine unerfahrenen Nerven in jenem Sommer hatten erleiden müssen, oder ob ich schauderte, weil ich langsam zu ahnen begann. Doch zugleich bereitete es mir Lust, daran zu denken und zu erzittern. Irgendwann spürte ich diese Gier, mir alles in der Vorstellung wieder zurückzuholen und mich zu schütteln vor … ja, wovor? Ich machte mir auch darüber lange Zeit keine Gedanken, warum die Erinnerung mich zugleich in diesen Zustand des Verlangens versetzte, und kann es mir auch heute, da ich in einer anderen Ecke der Welt sitze und mir Fotos aus einem vergessenen Leben ansehe, nicht ganz erklären. Auch heute nicht, da ich noch immer nicht genau weiß, wer der Mensch, der dort im obersten Stock wohnte, wirklich war. Was er wirklich getan haben könnte.
Die Erinnerung an das Haus und an seinen Bewohner kommt mir heute vor wie die früheste Erinnerung aus meiner Kindheit. Die blinden Scheiben der Fenster, ungeputzt wie die Gläser einer uralten Brille, die Blätter des Efeus und der Zeitung vom Vorabend, die auf dem Pflaster liegen und unter meinem Schritt knirschen. Ich sehe mich auf der Treppe vor dem Eingangstor stehen, Tag für Tag, mit einem Bündel Bücher unter dem Arm oder einem Mädchen an der Hand, sehe ihn, wie er grinsend im Salon sitzt, rieche den kalten Rauch der Zigarren und den warmen Duft des Leders, höre seine Stimme mir ein hundertstes Mal zuflüstern.
Mein Kopf spielt Spielchen mit mir. Ich erinnere mich daran, dass mein Bruder mir beibrachte, wie man einen Football wirft, ich war sechs, doch es kommt mir vor, als wäre es viele Jahre nach meiner Begegnung mit Mr. Emerson geschehen. Ich weiß nichts mehr von dem Tag meiner zweiten Hochzeit, obwohl ich ihn vor nicht einmal einer Dekade und gerade zwanzig Meilen von hier entfernt verbrachte. Doch ich weiß noch, als wäre es wie heute, dass ich nass geschwitzt war, als ich den Knauf drehte und zum ersten Mal in die Halle eintrat, deren Kühle den jungen Besucher danach noch so oft empfangen sollte.

3

„Du musst Johnny sein.“
Ich weiß nicht, was ich geantwortet habe, als das definitive Mädchen vor mir stand und mich bei einem Namen nannte, der nicht meiner war. Niemand nannte mich Johnny damals, nicht einmal meine Eltern, die riefen mich Jonathan, und wenn es ernst wurde, sprach mein Vater es deutsch aus, und mein Bruder sagte nur „Kleiner“ zu mir.
„Hi, ich bin Gretchen“, sagte sie, lächelte der Kamera vor meiner Brust zu und gab mir die Hand.
Ich hatte nicht geklopft, hatte nicht einmal ein vernehmbares Geräusch gemacht, war einfach nur vor der einzigen Tür im letzten Stockwerk des Hauses stehen geblieben und hatte geatmet. Sie war nicht zu, die Tür, nicht nur nicht abgeschlossen, sondern bloß angelehnt, sodass ich, wie betäubt in der Dunkelheit stehend, einen schwachen Streifen Licht sehen und Stimmen hören konnte. Ein Mann und eine Frau. In den unteren beiden Stockwerken war ich an schwarzlackierten Türen vorbeigekommen, keine Schilder, keine Namen, Wohnungen ohne Klingeln, ohne Fußmatten. Kein Zeichen menschlichen Lebens hatte mich dort empfangen, sodass meine Neugier mich wie ein Raubtier nach oben getrieben hatte, bis es nicht weiterging, wo ich nun lauschend auf dem letzten Treppenabsatz stand.
Ein Mann sprach, dann eine Frau. Ein Mädchen vielleicht. Das Mädchen. Eine Pause entstand, ich regte mich nicht. Ich spürte mein Herz gegen meinen Atem ankämpfen. Hatten mich die Treppen so geschafft oder was war der Grund für die Spannung in mir? Plötzlich stand sie vor mir mit ihren hohen Wangenknochen, stellte sich vor, führte mich in die Wohnung hinein.
Vor Aufregung brachte ich nichts anderes heraus als ein lauwarmes „Kennen wir uns?“
Doch sie ging nur vor mir her den langen Flur entlang. Ich betrachtete die Bücher in den Regalen rechts und links, die bis zur Decke reichten. Ich betrachtete die Linien ihres Körpers, die Biegungen und Wendungen, die ihre Hüften bis zum Hintern machten. Von den Titeln der Bücher weiß ich nicht einen einzigen mehr, doch ihre Kurven, die weiß ich noch und werd ich immer wissen. Der Weg durch den Flur, der schmal und schattig war wie ein Stollen im Bergwerk und sich erst auf den letzten Schritten ein wenig erhellte und verbreiterte, kam mir wie ein nie endender Gang zum Schafott vor. Mit einem Mal schossen mir die Gedanken durch den Kopf, die ich vorher schon hätte haben sollen: Was wollte ich hier? Wie war ich hierhergekommen? Hatte ich sie verfolgt, oder die beiden, oder ihn? Wollte ich es ihm heimzahlen? Oder von ihm lernen? Hatten sie mich bemerkt? Mich im Treppenhaus gehört? Oder war ich ihnen etwa schon im Diner aufgefallen?
Und gleichzeitig traf mich das Wissen darum, dass es zum Umkehren zu spät und alle Fragen sinnlos waren.

„Du musst ein wenig an deiner Unpünktlichkeit arbeiten, wenn du ein richtiger Künstler werden willst.“
Er saß dort inmitten des weiten Zimmers, in das Gretchen mich geführt hatte. Es war eher ein Salon, ein übergroßes Bibliotheks- oder Studierzimmer mit in Marmor eingefasster Feuerstelle, an drei Seiten von deckenhohen Bücherschränken gesäumt. Rechts stand eine Staffelei mit Leinwand, daneben ein Klavier aus Eichenholz und links verdeckten steife Filzvorhänge die Fenster, sodass das Innere auch hier nur spärlich von künstlichem Licht beleuchtet wurde. Davor stand ein altmodischer Schreibtisch, ein Sekretär mit aufgesetztem Rollschrank aus Mahagoni, und in der Mitte ein Sessel und zwei längliche, mit Kissen versehene Fauteuils, auf deren linkem der Hausherr mehr lag als saß. Die Wohnung musste immens sein, wahrscheinlich war hier aus den drei Apartments im Stockwerk darunter eine einzige gemacht worden.
Wieder störte mich etwas an seiner Stimme, als sei sie falsch, nicht seine eigene. Gretchen setzte sich auf einen der beiden Sessel, zu ihren Füßen der Rucksack, und lächelte meiner Hilflosigkeit zu. Entweder wollten die beiden mich auf den Arm nehmen oder hier lag eine amüsante kleine Verwechslung vor, die aufzulösen nicht allein meine Sache war. Zwischen Gretchens Platz und dem rechten Diwan lagen zwei Bücher auf einem niedrigen Tischchen; am sonnengelben Umschlag des einen erkannte ich Emersons Natur wieder – in dem anderen, einem großformatigen Lederband, vermutete ich die seltene und Aufsehen erregende Ausgabe von 1838, die mich heute gelehrt hatte, dass man auch mit alten Büchern junge Mädchen verführen konnte.
Ich ging ein paar Schritte auf den noch immer liegenden Mann zu und war im Begriff, ihm zur Begrüßung die Hand zu reichen, da schnellte er mit einer Behändigkeit, die ich seinem Alter nicht zugetraut hatte, von seinem Diwan empor, machte einen Satz auf mich zu, sodass ich unwillkürlich zurückwich, und verbeugte sich mit vor der Brust zusammengelegten Händen. Ich konnte nicht anders, als seinen Gruß erwidern. Sprachlos blieb ich stehen, während er sich von mir und Gretchen abwendete und an eines der Fenster trat.
„Ich denke, für heute reichen ein paar Porträtaufnahmen. Den Körper machen wir später.“
Wir schwiegen. Ich sah Gretchen an, die die Dunkelheit erhellte wie ein Edelstein eine Höhle, dann wieder zu ihm hin. Er hatte einen der Vorhänge zur Seite geschoben, sodass ein wenig Tageslicht auf die Bücherwände fiel, und etwas Unverständliches gemurmelt. Nun drehte er sich zu uns um, während der Filz hinter ihm wieder vors Fenster pendelte. Er nickte zur Kamera hin, die ich bereits vergessen hatte und die noch immer um meinen Hals hing, und durchschritt den Raum bis zu einer von Bücherschränken gerahmten französischen Tür hin.
„Im Atelier ist das Licht um diese Tageszeit besser.“
Ich verstand, oder gab vor zu verstehen. Er hatte den linken Flügel der Tür mit einem Stoß seiner Faust einen Spalt breit geöffnet, ich erhaschte einen Blick in das lichtdurchflutete, bis auf ein riesiges Bett leere Zimmer dahinter, er öffnete auch den zweiten Flügel und blieb im Türrahmen stehen. Als nun auch Gretchen sich aufmachte und an ihm vorbei in den Nebenraum („das Atelier“) trat, war ich mir sicher, dass es sich um einen Irrtum handelte – aber einen, den ich beim Schopfe zu ergreifen hatte. Was immer hier vor sich ging und was immer noch geschehen würde, ich war schließlich mit dem definitiven Mädchen zusammen in ein und demselben Haus, hatte ihren Namen erfahren und war – wenn es auch nicht allein mein Verdienst war – im Begriff, von ihr Fotos zu machen. Mein neues Lebensjahr schien vielversprechend zu beginnen.

Der Schmerz, den mir das gleißende Licht in dem Raum und ihr Kontrast zu dem Höhlendunkel im Salon bereiteten, ließ mich die Augen zusammenkneifen. Die Sonne schien unmittelbar auf das riesige, mit schneeweißen Seidentüchern gedeckte Bett in der Mitte und reflektierte von seinen vier Messingknäufen an den Ecken. Wände und Decke, selbst die Holzbalken über den Fenstern waren hell gestrichen, nur die Bodendielen schimmerten einem schlichten Eisgrau. Während unser Gastgeber im Türrahmen stehen blieb, ging ich hinein und rätselte, was genau die Bezeichnung „Atelier“ hätte rechtfertigen können; es erschien mir eher wie ein unfertig eingerichtetes Schlafzimmer.
Gretchen ließ sich auf der Kante der Matratze nieder, saß mit überschlagenen Beinen auf einem Tuch aus Wolken, das so breit wie lang war, nahm Platz mitten im Lichtkegel der Sonne, die weit entfernt von uns irgendwo da unten die Häuser und Straßen von Brooklyn beschien, nahm Platz in ihrem Heiligenschein, reckte ihr Perlenlächeln der Nebenbuhlerin entgegen und strahlte mit ihr um die Wette.
Sie gewann. Ich befürchtete, die zwanzig Fotos, die ich von ihr machte, wären hoffnungslos überbelichtet und verwackelt zugleich, so hell strahlte ihre Schönheit und so sehr zitterte ich, während ich meinem Gelegenheitsauftrag nachkam und der schweigende Mr. Emerson uns beiden von seinem Platz unter dem Türsturz aus zusah.
Offenbar wusste sie genau, wie sie fotografiert werden wollte, denn sie benötigte keine Anweisungen. Sie rückte ihr Gesicht im Licht zurecht, mal schaute sie in die Linse, lächelte ihr zu oder sah sie nachdenklich an, mal blickte sie verträumt unter ihren zu langen Wimpern hervor und aus dem Fenster, mal biss sie sich auf die halbe Unterlippe wie von Selbstzweifeln geplagt, dann öffnete sie beide Lippen ganz, als würde der Lufthauch auf ihnen den unsichtbaren Schmerz stillen, mal hob sie den Brustkorb, mal ließ sie die Schultern sinken, mal fuhr sie sich mit den Fingern durchs Haar. Offenbar wusste sie, wie man es macht, offenbar wusste sie, wie schön sie war, und offenbar wusste sie auch, wann ein Film zu Ende war; mit dem letzten Klicken stand sie vom Bett auf, strich über ihren Rock und bedankte sich bei mir mit einem Kuss auf die Wange. Ich ließ die Kamera aus den Händen gleiten und konnte sie gerade noch vor dem Aufprall auf den Dielen retten. Gretchen hatte das Atelier verlassen.
„Wenn du willst, können wir morgen mit den Sitzungen anfangen.“
Mir wurde erst nach ein paar Sekunden klar, dass er nicht mich, sondern das Mädchen gemeint hatte. Ich sah sie beide im Halbdunkel des Salons stehen, sah, wie Gretchens Gesicht aufleuchtete, als sie sich zu ihm umdrehte und etwas sagte, schließlich führte sie die Hände vor der Brust zusammen und verbeugte sich vor ihm wie vor einer indischen Gottheit. Er wiederum legte ebenfalls die Handflächen aneinander und neigte ihr seinen Kopf langsam, beinahe unmerklich zu.
Dann verschwand sie in der Finsternis, ebenso so schnell, wie sie erst vor einer Stunde aus dem Subway-Eingang hinterm Prospect Park in mein Leben getreten war.

4

„Ein kluges Mädchen geht, bevor es selber verlassen wird.“
Langsam begann ich zu ahnen, woher das Unbehagen stammte, das seine Worte mir bereiteten. Es war nicht der Inhalt dessen, was er sagte, auch nicht der grobe, fast schneidende Tonfall der Stimme an sich, es war etwas gänzlich Anderes. Bevor ich darüber nachdenken konnte, winkte er mich herbei. Ich zog die Flügel des Ateliers hinter mir zu und trat wieder in den Salon, wo ich mit dem Hausherrn, der Gretchen zur Wohnungstür begleitet hatte, nun allein im Dunkel stand, einzige Lichtquelle waren die winzigen Glühbirnen, die an einer Kette über den Bücherschränken hingen und die Sammlung offensichtlich seltener und kostbarer Bände erhellten.
Er sah mich an, wir schwiegen. Zum ersten Mal nahm ich seine Gestalt wirklich war; er war hochgewachsen und schlank, und obwohl sein Körper in einer Art orientalischem Morgenmantel steckte, erkannte man an ihm eine gewisse Sportlichkeit, ja Fitness. Seine Bewegungen waren geschmeidig, leichtfüßig, eher die meines älteren Bruders als die des eines Manns von fünfzig Jahren, als den ich ihn anfangs geschätzt hatte. Jetzt, da er zur Staffelei ging und die Leinwand herunterhob, und ich, noch immer mit dem Rücken zur Wand und den Händen vor der Brust wie ein Schüler auf die Fragen des Rabbis wartend, ihn genauer betrachten konnte, war ich unsicher – seine grauen Schläfen, die weißen Linien um die schwarzen Augen in seinem blutleeren Gesicht, die drei Furchen auf der Stirn, die raue Stimme, all das widersprach der Breite seiner Schultern, den grazilen und zugleich energischen Schritten sowie den kräftigen Händen, die die Leinwand hielten und zu mir hindrehten, sodass ich sehen konnte, dass sie leer war.
„Gretchen ist ein kluges Mädchen“, sagte er, und in diesem Moment wurde mir klar, was seine Worte auf mich so verstörend wirken ließ. Er sprach ihren Namen, den ich nun zum ersten Mal aus seinem Munde vernahm, nicht auf die amerikanische Weise aus, mit dunklem, hohlem R nach dem ersten Buchstaben und einem schnellen Zischen am Ende, sondern so, wie mein Vater es ausgesprochen hätte. So, wie mein Vater meinen Namen deutsch aussprach, wenn er ernst wurde, sprach auch der Mann den Namen des Mädchens deutsch aus, wie er überhaupt, das merkte ich jetzt, allen seinen Sätzen einen leichten deutschen Akzent verlieh. Ein normaler Amerikaner hätte es vielleicht nicht bemerkt, aber die strenge, leicht monotone Melodie seiner Sätze, das etwas zu weit vorne gebildete L in „girl“ und der harte Konsonant am Ende mancher Wörter – es erinnerte mich plötzlich so sehr an die Sprechweise meiner Eltern, vor allem an die meines Vaters, dass ich mir sicher war, auch Mr. Emersons Vorfahren mussten Deutsche gewesen sein, hatten ihn vielleicht die ersten Lebensjahre ausschließlich in ihrer Muttersprache aufgezogen oder er hatte gar mehrere Jahre in Deutschland gelebt.
Doch ich sagte nichts. Stattdessen betrachtete ich die jungfäuliche Leinwand, auf der er Gretchen offenbar porträtieren wollte, und begann zu frösteln. Entweder war es im Raum spürbar kälter geworden oder ich schauderte, da mir langsam bewusst wurde, dass ich nun nicht länger darum herumkäme, die Verwechslung aufzulösen und mich als den mondsüchtigen Stalker zu outen, der ich war. Er mochte mein Schaudern gespürt haben, denn im gleichen Moment lehnte er die Leinwand ans Klavier, rieb sich die Hände und sagte: „Und hübsch ist sie auch. So hübsch, dass es kühler wird, wenn sie den Raum verlässt.“
Er zog seinen Morgenmantel aus und ließ ihn auf den Sessel fallen; darunter hatte er bloß eine Leinenhose an, sodass er nun mit nacktem Oberkörper vor mir stand.
„Ein Mädchen, das so klug ist wie sie, so aussieht wie sie und dann auch noch Bücher liest – so ein Mädchen triffst du nicht alle Tage. Da musst du schon zugreifen, mein Junge.“
Ich war bemüht, ihn nicht anzustarren, seine graubehaarte Brust und die runden Schultern, die langen kräftigen Arme unter der spröden Haut, den Oberkörper eines ehemaligen Boxers, um den er nun ein weißes Hemd hüllte. Er bedeutete mir mit einem Kopfnicken, mitzukommen, offenbar wollte er das Apartment nun verlassen. Er stellte sich vor eine Art Kosmetiktisch in der rechten Ecke des Salons, dort nahm er das Jackett, das er im Diner getragen hatte, zog es über, strich sich die Haare im Spiegel glatt und zupfte abschließend an den Manschetten seines Hemds, bevor er sich lächelnd zu mir umdrehte, als wollte er mich fragten, ob er so gehen könne.
Ich nahm meinen Mut zusammen.
„Aber jetzt ist sie weg. Sie haben sie mir ausgespannt, nur um sie gehen zu lassen?“
„Ich hab sie gehen lassen, damit sie wiederkommen kann.“
„Warum sollte sie?“
„Warum sollte sie nicht? Sie hat die Aussicht, von einem Kerl wie mir gemalt zu werden. Vielleicht von einem Kerl wie dir flachgelegt zu werden, wer weiß? Was könnte es Reizvolleres in ihrem jungen Leben geben? Ist das nicht der Grund, weswegen sie sich Morgen für Morgen hübsch machen? Weswegen sie sich ins Café setzen, ihr Haar von der Sonne bescheinen lassen und ihre Bücher vor sich ausbreiten: die Hoffnung, dass sie eines Tages jemand anspricht, der ihr wahres Wesen erkennt?“
Er ging zum Schreibtisch, öffnete ein langgezogenes Schächtelchen und nahm erst eine Zigarre hervor, dann eine zweite, die er mir mit hochgezogener Augenbraue entgegenhielt. Hinter und über ihm bemerkte ich nun das gerahmte Bild zwischen den Vorhängen, den Abdruck eines Kupferstichs, das ich aus dem Geschichtsbuch kannte: der breitbrüstige Zeus des Phidias auf seinem Thron. Darunter er und sein Spitzbubenlächeln. Ich schüttelte den Kopf, mehr über seine Worte als über sein Angebot. Er legte die zweite Zigarre wieder zurück und steckte sich die erste an. Heute weiß ich nicht mehr, ob ich seinen Worten damals nur aus Prinzip widersprach, obwohl ich heimlich genau so von den Mädchen dachte, wie er es ausgedrückt hatte, oder ob ich sich meine Auffassung vom wahren Wesen der Frau erst später gebildet hat, erst in diesem Sommer, erst nach meiner Bekanntschaft mit ihm.
„Nein?“, fragte er. „Glaubst du, die Mädchen träumen von Erfolg in der Schule und einem Lob von ihrer Mutter, wenn sie nachts alleine im Bett liegen? Denkst du, ihr wahres Wesen will nicht erkannt werden?“
„Ich hab keine Ahnung, was ihr“, ich krümmte zwei Finger in der Luft, „wahres Wesen will. Aber ich glaube nicht, dass es darin besteht, flachgelegt werden zu wollen.“
Zumindest nicht nur, dachte ich vielleicht, sprach es aber nicht aus. Er zog an seiner Zigarre, atmete langsam aus und fügte dem Geruch, der im Raum lag, dieser leicht abgestandenen Mixtur aus Leder und Rauch, eine kräftige Note des zweiten hinzu.
„Hoffentlich sind deine Fotos besser als deine Menschenkenntnis, mein Junge.“
Ich protestierte hilflos. „Ich wär mir da nicht so sicher.“
„Vertrau mir, sie kommt wieder. Und außerdem“, er schritt zum Tisch neben Gretchens Sessel und nahm den sonnengelben Band in die Hand, das Geschenk ihres Vaters, „hat sie etwas liegen lassen, was sie bald vermissen wird.“

Der funkelnde Himmel über der Brücke, die Sirenen der Polizeiautos vom Parkway her und die hungrigen Gesichter in den Schlangen vor den Delis erinnerten mich daran, dass es Mittag in Brooklyn war und dass der Sommer bevorstand. Der ältere Mann, der rauchend neben mir die Pierrepont Street entlangschritt, ließ mich erahnen, dass es der aufregendste Sommer meines jungen Lebens werden würde. Der definitive Sommer, gewissermaßen.
Wir gingen nebeneinander her, er mit Hut auf dem Kopf, ich mit Gretchens Antlitz zwanzigmal im Kasten, er in einen weichen, cremefarbenen Mantel gehüllt, ich in Unverständnis und Erregung. Sollte ich ihm dankbar sein oder böse? Offensichtlich war er mir sowieso einen Schritt voraus, hatte mich in Pedro’s Diner bereits erblickt, als ich mich neben Gretchen gesetzt hatte, hatte sie nur angesprochen, um mir eins auszuwischen (oder um mir etwas beizubringen?), hatte mich und meine Kamera ausgecheckt, sich einen Plan zurechtgelegt und ihn eiskalt durchgezogen. Hatte mich verarscht. Oder mir geholfen?
Wir spazierten südwärts, durch Cobble Hill und dann durch die Magnolienblüten im Carroll Park hindurch, bevor wir schließlich ein Restaurant betraten, wo er nicht das erste Mal verkehrte, wie ich an den Reaktionen der drei jungen Kellnerinnen – blond, brünett, schwarz – erkannte. Wir aßen, ich ein paar Spiegeleier, er ein Beefsteak mit Minzblatt, wir tranken, ich Orangensaft, er ein Bier, er redete, ich bezahlte. „Das nächste Mal geht auf mich, mein Junge.“ Er sprach über Malerei und wo man gute Leinwände bekam, wir sprachen nicht mehr über Mädchen und ihr wahres Wesen, und wir schwiegen über Gretchen.
„Was nimmst du für deine Fotos?“, fragte er schließlich, als wir wieder auf die Straße getreten waren.
„Ich weiß ja nicht mal, ob sie gut geworden sind. Vielleicht können Sie sie gar nicht gebrauchen …“
„Mach dir darüber keine Sorgen“, sagte er. „Bring sie nächste Woche einfach mit, dann sehen wir weiter.“
Mr. Emerson verbeugte sich vor mir mit seinem Hut in der Hand, dann setzte er ihn auf, lächelte und ließ mich stehen.
Seinen wahren Namen erfuhr ich an diesem Tage nicht.

5

Offenbar war ich an diesem Tag zum Starfotografen geworden. Vielleicht lag es aber einfach nur am Objekt.
Ich wartete zwei Tage damit, die Rolleiflex zu öffnen und den Film zum Shop zu bringen. Der Inhaber war ein alter Schwarzer mit weißem Bart, sein Laden lag auf der Lexington Avenue und hieß Harlem One-Hour-Photo, aber für meine Aufnahmen brauchte er vierundzwanzig Stunden. Weitere vierundzwanzig Stunden verbrachte ich damit, mich gegen die Versuchung zu wehren, die Fotos anzusehen. Ich ließ den Umschlag ungeöffnet zwischen den Theoriebüchern und den Vorlesungsmitschriften auf dem Sperrholzkasten liegen, der mir in meiner Bude im sechzehnten Stockwerk des südlichsten der Triborough-Häuser als Arbeitstisch diente, und betrachtete seine braunen Kanten von der Matratze aus. Ein Sperrholzkasten, eine Matratze aus Weichschaum, eine elektrische Kochstelle, ein Bücherbord an der Wand mit ganzen sieben Büchern drauf und eine Footballkarte von Babe Parili auf dem Sims unter dem Fenster, das zwanzig Meter Ausblick auf die nächste Häuserwand gewährte – das war es eigentlich schon mit dem Zimmerchen, das meine Eltern mir bezahlten und in dem ich so wenig Zeit wie möglich verbrachte. In den Tagen nach meiner Begegnung mit Gretchen und dem deutschen Maler jedoch verließ ich meine zwölf Quadratmeter nur, wenn es unbedingt nötig war: zum Bad auf dem sisalteppichbelegten Flur, das ich mir mit einem Dutzend anderer Bewohner teilte, größtenteils Italiener, von denen ich bis auf Marihuanaschwaden, nächtliches Schreien und dem Dreck auf der Toilette wenig mitbekam; zum Supermarkt an der Ecke, um Eier, Speck, Äpfel und zwei Tüten Milch zu kaufen; schließlich zum Fotoladen, wo mir der alte Schwarze mit dem weißen Bart wissend zuzwinkerte. Während dieser Tage tat ich alles, um nicht an Brooklyn zu denken, nicht an das Haus in der Willow Street, nicht an Gretchen und nicht an den deutschen Maler. Es gelang mir nicht.
Mittwochmorgen warf ich mich auf den Umschlag wie ein ausgehungertes Tier auf unverhofft entdecktes Aas. Ich zog die Fotos hervor, breitete sie auf meiner Decke aus und verstand, warum mir der Mann im Laden zugezwinkert hatte. Sie waren brillant. Makellos und vollkommen waren sie, als hätten wir mehrere Tage daran gearbeitet und von mehr als tausend Bildern nur die besten zwanzig ausgesucht. Die besten zwanzig, die nun vor mir lagen und die wiederum so taten, als wären sie in einer spontanen Sitzung innerhalb von fünf Minuten entstanden. Und das war ja keine Lüge. Aber die Wahrheit? Sie waren grandios und ich war plötzlich zum Cartier-Bresson von East Harlem geworden, aber das war es nicht. Ich fand damals keine Worte dafür, was ich sah, und noch heute, wo ich sie aus dem einzigen Karton, der mir aus meinem früheren Leben in Amerika noch übriggeblieben ist, hervorgekramt habe und in der Hand halte, fällt es mir nicht leicht, den Eindruck zu beschreiben, den diese Bilder damals auf mich machten – und jetzt wieder machen. Das Mädchen, das da in Schwarz und Weiß auf meinem Bett lag, ein junges, vielversprechendes Starlet, eine zukünftige Leinwandgöttin, war ganz offensichtlich in mich verliebt. Oder sie war scharf auf mich. Oder hatte gerade mit mir geschlafen. Eins von dreien, oder alles zusammen. Auf jeder einzelnen Aufnahme, ob sie lächelte, schüchtern, wild, verträumt oder ernst blickte, ob sie in die Kamera sah oder in die Ferne – auf jeder Aufnahme hatte die Verbindung, die das Mädchen mit dem Betrachter hatte, etwas derart Intimes, dass man annehmen musste, der Fotograf und sein Objekt hätten eine innige Beziehung zueinander. Als wäre da eine Art magischer Rapport, wie zwischen einem Magnetiseur und seinem Opfer, wobei mir unklar war, wer von uns beiden welche Rolle einnahm.
Das Seltsame war, dass ich in den fünf Minuten, als diese Aufnahmen entstanden, von all dem nichts gespürt hatte. Aber ebenso, wie Gretchen an diesem Vormittag in Brooklyn im Atelier des deutschen Malers auf seinem Bett gesessen hatte, lag sie nun auf meinem. Und ebenso, wie Gretchen in diesem Moment genau gewusst hatte, wie sie fotografiert werden wollte, wusste sie auch jetzt, wie sie angeschaut werden wollte.
Eine Sekunde später verspürte ich ein beunruhigendes Gefühl im Magen. Unwillkürlich dachte ich daran, dass ich versprochen hatte, ihm diese Bilder zu zeigen, und meine Handflächen begannen feucht zu werden. Ich stellte mir den Moment vor, in dem er sie so sehen würde, wie ich sie jetzt sah, und eine Mischung aus Abscheu und Eifersucht überfiel mich. Stellte mir seinen Blick vor, den durchdringenden Blick seiner kohlenschwarzen Augen, wie er auf ihr nicht ruhte, nein, wie er in sie drang. Stellte mir den Abdruck vor, den seine Spinnenfinger auf dem Papier hinterließen. Stellte mir sein Lächeln vor, ein lüsternes Schmunzeln, das ihm der Gedanke daran, sie zu malen, bereitete. Stellte mir vor, wie sie ihm den gleichen leidenschaftlichen Blick zuwarf wie mir jetzt, und da, mit einem Mal, kam mir der Gedanke, der mich vor Übelkeit fast erbrechen ließ. Was, wenn ihr intimer Blick von Anfang an gar nicht mir, dem Fotografen, gegolten hatte, sondern ihm und nur ihm, dem Mann, der ihr Antlitz schließlich malen würde? Dem Mann, in dessen Atelier, auf dessen Bett sie schließlich Stunden und Tage zubringen würde? Dem Mann, mit dem sie schließlich mitgegangen, dem sie in seine Höhle gefolgt war, als er sie darum gebeten hatte? Was, wenn der magische Rapport, der doch eindeutig auf diesen Fotos zu erkennen war, nicht zwischen meinem definitiven Mädchen und mir bestand, sondern zwischen ihr und einem fremden grauhaarigen Juden, der mein Vater hätte sein können? Wenn ich weder Magnetiseur noch Opfer in dieser Geschichte war, sondern einfach nur ein im Grunde belangloser Mittelsmann, ein unbeteiligter Betrachter, den der reine Zufall in diese Geschichte gebracht hatte?
Ich brauchte Gewissheit. Hastig steckte ich die Bilder wieder in ihren Umschlag zurück, zog mich an und verließ mein Zimmer.

Ich fuhr bis zum Atlantic Terminal, ging die Flatbush Avenue entlang bis zum Prospect Park, stellte mich an den Aufgang der Subway Grand Army Plaza, an dem ich Gretchen zum ersten Mal begegnet war, und wartete. Hier war sie emporgestiegen aus der Dunkelheit, hier war sie mir erschienen, hier musste ich sie wiedersehen. Ich hatte keine Ahnung, was genau ich vorhatte, doch das war mir egal. Ich wollte nicht denken, ich wollte handeln. Nach einer halben Stunde gab ich auf, irrte durch die Straßen von Brooklyn und kam schließlich an Pedro’s Diner aus. Auch hier war sie nicht, wieso auch, und auch er war nicht hier. Nur die beiden Schwarzen spielten noch immer Billard und hinter der Theke begrüßte mich Pedro mit ebenso müdem Blick wie drei Tage zuvor.
In dem Moment ging mir auf, wie Gretchen auf die Idee gekommen war, mich Johnny zu nennen, als ich im Treppenhaus mit offenem Mund vor ihr stand. Pedro, dessen Vater (ebenfalls Pedro) der Laden gehörte, hatte mich so begrüßt, wie jedes Mal seit meinem ersten Besuch im Diner, als er meinen Vornamen auf der Lohntüte gelesen hatte, aus der ich die in der Woche verdienten Scheine zog, um sie für Tacos und ein paar Bier zu verprassen. Statt Jonathan hatte er mich Johnny genannt und ein aufmerksamer Mann, der in seiner Ecke saß und seinen Kaffee umrührte, hatte es gehört. Er hatte mich gesehen, hatte gemerkt, dass ich nur zu einem Zweck hier war, und war mir zuvorgekommen. Und auf ihrem Weg zu seinem Apartment, oder später, oben im Salon, als das Gespräch auf die Kunst kam und darauf, dass er Maler sei und sie gern malen würde, hatte er Gretchen gesagt, gleich komme sein Fotograf Johnny, der könne ein paar Bilder von ihr schießen, die er für die Vorarbeiten benötige. Und wie bestellt erschien ich ein paar Minuten später an der Wohnungstür.
Ich fragte Pedro, ob der Typ, der vor ein paar Tagen mit dem hübschen Mädchen abgezogen war, öfter hierherkomme.
Er musste nicht eine Sekunde nachdenken. „Señor Eisenstein?“, sagte er. „Hast du grade verpasst. Vor einer halben Stunde war er noch hier.“
„Du kennst ihn?“
„Genau so gut wie dich“, sagte Pedro.
„Also gar nicht …“, sagte ich.
„Ich weiß nur, dass er Eisenstein heißt, Bücher verkauft, und dass ihr beide das gleiche Hobby habt.“
Er schürzte seine Lippen und zog die Augenbrauen hoch und grinste so anzüglich, dass ich mich vor mir selber schämte. Ich ahnte, dass er mit „Hobby“ nicht eine Leidenschaft für seine Tacos meinte. Aber was genau wusste er?
„Er verkauft Bücher?“
„Hat er gesagt. Aber so wie er aussieht, ist er eher Zuhälter oder so was.“
Ich lachte. „Wie kommst du darauf?“
„Ich hab einen Cousin. Emilio. Wohnt in Co-op City, zehn Jahre älter als ich. Der ist Zuhälter. Ein netter Typ, aber wie der immer guckt. Und dieser Eisenstein hat genau diesen Gesichtsausdruck, wenn er hier sitzt. Da ist irgendwas mit seinen Augen. Das vergisst du nicht so leicht.“
Er machte eine Pause, in der er mein Glas vom Tresen nahm und spülte. Dann grinste er mich erneut anzüglich an und sagte: „Außerdem schleppt er hier jede Menge Mädchen ab. Jeden Tag kommt er her, trinkt einen Kaffee, und wenn hier mal was Brauchbares auftaucht, kannst du wetten, dass sie irgendwann mit ihm mitgeht. Zuhälter, ich sag’s dir.“
Ich spürte das Verlangen zu protestieren und Pedro über das wahre Wesen von Señor Eisenstein aufzuklären. Ihn zu belehren, dass der Anschein manchmal trüge, dass man nicht immer dem ersten Eindruck trauen könne. Ihn darüber zu informieren, dass Eisenstein kein Zuhälter sei, sondern ein Künstler, ein Maler deutscher Herkunft. Ich spürte das Verlangen, mit meiner intimeren Verbindung zu Eisenstein zu prahlen. Doch schnell merkte ich, dass ich, obwohl ich bei ihm zuhause gewesen war und mit ihm zu Mittag gegessen hatte, über sein wahres Wesen genauso wenig Bescheid wusste wie Pedro, vielleicht noch weniger. Und so schwieg ich, zahlte und verließ das Diner.

Schließlich hatte Pedro Recht. So ein Gesicht vergisst du nicht. Als ich in den nächsten Tagen versuchte, mein altes Leben einigermaßen wiederaufzunehmen, gingen mir Eisensteins Ausdruck, sein Blick, sein Lächeln, seine Mimik nicht mehr aus dem Kopf. Am Donnerstagmorgen fuhr ich wieder Fleisch aus, gehackte Leber und Nieren, am Nachmittag hörte ich eine Vorlesung über viktorianische Lyrik und überall, wo ich hinkam, meinte ich, ihn zu sehen. Die unterschiedlichsten Typen erinnerten mich an ihn. Der Zahlmeister vom Westville Kosher Market auf Staten Island, ein schmaler, halb erblindeter Sepharde namens Alkalai, der mir für gewöhnlich zu viele Scheine in die Tüte steckte, ließ mich fast zusammenzucken. Sein hageres Gesicht, die hohen Wangen unter den tiefschwarzen Augen, aus denen nur dann und wann ein weißer Streifen blitzte – so hatte er ausgesehen. Der Mitarbeiter des Professors an der Columbia, der ihm die Tasche trug und die Tafel putzte, ein kräftiger, gutaussehender Typ Ende Vierzig, der schon ein paar Jahre zu lange an seiner Habilitation arbeitete – ein jüngerer Halbbruder von Eisenstein. Die grauen Pomadesträhnen an den Schläfen, die dichten Augenbrauen unter der breiten Stirn, der schmale Schnurrbart unter der länglichen Nase, die ihn aussahen ließen wie den jüdischen Errol Flynn – das war er.
Am Freitag kaufte ich mir die Essays von Emerson in einem der Antiquariate auf der Lexington Avenue. Sie lagen dann jahrelang auf dem Sperrholzkasten in meiner Höhle in East Harlem, später zwischen Thoreau und Alcott in meinem Arbeitszimmer in Montauk, und schließlich, nach meiner Ausreise, in einem Karton zusammen mit den Schwarz-Weiß-Fotografien und meinen alten Manuskripten. Der Inhaber, der mich zu dem Regal führte, in dem die vergilbte Taschenbuchausgabe von 1938 stand, sah Eisenstein ähnlich wie ein verloren geglaubter Zwilling. Die gleiche hohe Statur, deren Eindruck er durch die Gewohnheit noch verstärkte, die kräftige Kinnspitze höher zu tragen als das Kiefergelenk, was seinen Adamsapfel betonte und ihm zugleich den Anflug von Arroganz verlieh, das stolze Schreiten durch die Gänge … und als auch er zum Abschied sich nur leicht vor mir verbeugte, konnte ich gerade noch an mich halten, ihn nicht auf seinen Zwilling anzusprechen. Doch auch hier schwieg ich, zahlte und ging.
Am Ende der Woche hatte ich mir Eisensteins Gesicht so oft vorgestellt und es so oft in den Gesichtern der Passanten meines Lebens entdeckt, dass ich beinahe vergessen hätte, wie mein definitives Mädchen aussah.
Wären da nicht die Fotos gewesen.

 

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